Huzulenpferd

Spartenbetreuer

Dr. Peter Zechner
Stallamtsweg 1
4651 Stadl-Paura

07245/21700-15
peter.zechner@lk-ooe.at
www.pferdezucht-austria.at/ooe


UND

Ruth Horejs
Gut Lieglerberg
Lieglerberg 85
8274 Buch bei Hartberg

0660/29 14 200
huzulen@huzulenpferde.at
www.huzulenpferde.at

Verantwortliche Organisation

Pferdezuchtverband OÖ.
Stallamtsweg 1
4651 Stadl Paura

Tel. 07245 21700 11
peter.zechner@lk-ooe.at
www.pferdezucht-austria.at/ooe/

Rassestandard

Das Huzulenpferd ist ein kompaktes, stämmiges, harmonisches, ansprechendes Kleinpferd mit ausgeglichenem Charakter. Der Gesamteindruck vermittelt das Bild eines im Rechteck stehenden Pferdes mit großem Brustumfang und gut geschwungener Oberlinie.

Ursprungsbedingt ließen sich lange Zeit 3 Grundtypen deutlich voneinander unterscheiden:

1. Tarpantyp - zeigt die ursprünglichen Merkmale des in den Waldgebieten der Karpaten vorgekommenen Bergtarpans.
2. Bystrzectyp - entstand als Kreuzungsprodukt zwischen Bergtarpan und Konik.
3. Przewalskytyp - ließ die Einkreuzung von Mongolen- und Tartarenpferden erkennen - Relikte vergangener kriegerischer Auseinandersetzungen.

Alle trugen Wildpferdemerkmale, hatten große Ähnlichkeit in Exterieur und Rahmen - der Przewalskytyp schwerer, dadurch nur bedingt für schwieriges Gelände geeignet.

Auf Grund der ursprünglich verschiedenen Typen des Huzulenpferdes und der unterschiedlichen Selektionskriterien in den Zuchtländern, die sich aus dem Verwendungseinsatz ergeben haben, ist eine gesamteinheitliche Beschreibung nur schwer möglich. Der verhältnismäßig große, meist edle Kopf hat eine breite, gerade Stirn mit großen, aufmerksam blickenden Augen und wachen Ohren. Der Hals ist je nach Typ entweder kurz auf breiter Basis oder länger und beweglicher. Der Widerrist ist verschieden stark ausgeprägt. Auch bei der kräftig bemuskelten Schulter kommt es auf den Typ an, ob sie steil oder schräg gelagert ist, was sich deutlich in der Gangmechanik niederschlägt. Der Bewegungsablauf bei steiler Schulter gewährleistet außerordentliche Trittsicherheit mit allerdings weniger Raumgriff. Die schrägere Schulter bringt eine flachere Aktion mit größerem Raumgriff, der für sportliche Bewerbe von Vorteil ist. Der lange, gut geschwungene Rücken geht über in die breite, steil abfallende Kruppe mit tiefem Schweifansatz. Durch die auffallend gute Brust und die dadurch eher kurz erscheinenden Gliedmaßen, wirkt das Pferd keinesfalls hochbeinig. Die Röhren und Unterarme bzw.-schenkel sind trocken mit starken Sehnen und breiten Gelenken. Kleine, harte Hufe ermöglichen die Verwendung, bei normaler Beanspruchung, ohne Beschlag. Der Bewegungsablauf ist korrekt, rhythmisch, elastisch, mit ausgeprägtem Schub aus der Hinterhand.

Farben: Mit Ausnahme von Schimmel, Stichelhaar und Tigerschecke, sind alle Farben vertreten. Die ursprünglich am meisten verbreitete Farbe war Mausfalb. Obertsleutnant E. Hackl schreibt über die gescheckten Huzulenpferde, dass sie untypisch und sicher nicht echt sind – „eine altösterreichische Erbsünde in der Huzulei“. Rassetypisch erwünscht sind die Wildpferdemerkmale: Aalstrich, Schulterkreuz und die Zebrierung an den Beinen.

Allgemeine Richtgrößen: Stuten 132 – 143 cm, Hengste 135 – 146 cm (Stockmaße) Das Verhältnis von Widerristhöhe zur Länge stellte A. Osowicki 1904 mit 100:106,55 fest.

Die Gürteldifferenz – Brustumfang minus Widerristhöhe (Bandmaße) – sollte mindestens 25 cm betragen.

Verbreitung

Reinrassige Huzulenpferde, die den Vorgaben des Ursprungszuchtbuches entsprechen, werden in den in der Internationalen Dachorganisation „Hucul International Federation – HIF“ vertretenen Ländern gezüchtet: Österreich, Deutschland, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn. Darüber hinaus gibt es Züchter in weiteren Europäischen Ländern.

Zuchtgeschichte

Über den Ursprung des Huzulenpferdes, das die gleiche Bezeichnung trägt, wie das auf dem Gebiet zwischen den Flüssen Prut und Czeremosz in den Ostkarpaten lebende Bergvolk - die Huzulen - gibt es verschiedene von Wissenschaftlern aufgestellte Theorien. Die von den meisten vertretene Auffassung besagt, dass die heutigen Huzulenpferde ihre Ahnen in den russischen Steppentarpanen und den Bergtarpanen der Waldkarpaten finden. Eine weitere Theorie vermutet, dass auch das aus der Mongolei stammende Przewalskypferd Einfluss auf deren Entstehung genommen hat. Wegen der relativen Abgeschlossenheit des Ursprungsgebietes der Waldkarpaten, aus der heute zur Ukraine und zu Rumänien gehörenden Huzulei, kann man also von einer autochthonen Rasse sprechen. Bereits im Jahr 1603 wurde die Rasse erstmals in dem vom polnischen Hippologen K. Dorohostajski verfassten Werk Hippica erwähnt. Den Wert des kleinen Gebirgspferdes erkannte auch das österreichische Militär, so dass im Jahr 1774 durch einen Erlass der Kaiserin Maria Theresia, zwecks Hebung der Pferdezucht, abseits jeder Zivilisation, die im heutigen Rumänien gelegenen Gestüte RADAUTZ und LUCINA mit den bis auf 1600 m gelegenen Hochweiden, gegründet wurden. Das raue kontinentale Klima mit Temperaturen von - 35° C im Winter und bis zu + 36° C im Sommer und die Niederschlagsmenge von jährlich 900 mm bildeten die harten äußeren Lebensbedingungen. Futtermangel durch Missernten und die in den Wäldern vorkommenden natürlichen Feinde des Pferdes: Wölfe, Bären und Luchse brachten eine weitere Selektion mit sich. Oft gezwungen, sich in schwierigstem Gelände den Raubtieren zu stellen, überlebten jene Pferde mit kurzem, kräftigem Hals und geringer Fluchttendenz. So ist ein kompaktes, stämmiges, mutiges, instinktsicheres, trittsicheres Pferd mit großem Brustumfang und kleinen, festen Hufen entstanden. Die Qualität war so überzeugend, dass um 1900 englische Züchter, Huzulenpferde angekauft haben, um ihre Ponies zu verbessern.

Die zähen, wendigen und trittsicheren Gebirgspferde dienten bis 1918 der Österreichisch-Ungarischen Armee als Reit-, Zug- und Packtiere im unwegsamen Gelände. Nach dem 1. Weltkrieg wurden durch den Zerfall der Monarchie die Zuchtpferde der Lucina zunächst nach Waldhof in Niederösterreich gebracht, später jedoch auf die Nachfolgestaaten Rumänien, Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Österreich aufgeteilt. Das frühere Hauptzuchtgebiet der Huzulenpferde, die vorher zu Österreich gehörende Huzulei, lag nun in den Staaten Rumänien und Polen. 1919 setzte der rumänische Staat mit der Wiedererrichtung des Huzulengestüts LUCINA die Tradition fort. Nach dem 2. Weltkrieg fiel ehemals polnisches Gebiet an die Sowjetunion, sodass heute die ukrainisch-rumänische Grenze mitten durch die Huzulei verläuft.

Die wenigen Huzulenpferde, Stuten und Hengste, die nach dem 1. Weltkrieg in Österreich verblieben, wurden zu Bauern im Waldviertel und Oberinntal zunächst in Privatpflege gegeben, gingen später jedoch in deren Besitz über. Einzelne Hengste waren im 1826 gegründeten Hengstenstallamt Stadl-Paura bei Lambach in Oberösterreich untergebracht. Züchterisch gingen sie für die Huzulenzucht leider vollständig verloren. Einige Deckhengste dienten anderen Kleinpferderassen zur Blutauffrischung.

Erst im Jahr 1991 kam man auf Anraten von Reg. Rat Ing. Franz Schröder bei der Suche nach geeigneten Pferden einerseits für das von Univ. Prof. Dr. Schleger ausgearbeitete Öko-Projekt der „Biologischen Kreislaufwirtschaft“ im Moorbad Harbach, Niederösterreich, andererseits für den Reitbetrieb im Robinson Club Ampflwang auf jene in der Vergangenheit in der Nachbarortschaft von Harbach – in Roßbruck lebenden Huzulenpferde. So kamen nach ca. 50 Jahren wieder Huzulenstuten und -hengste aus Polen, Tschechien, der Slowakei, später auch aus Rumänien und Ungarn nach Österreich.

Den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ursprünglichen Stammhengsten Stirbul, Miszka, Czeremosz, Taras, Corbu, folgten nach der Jahrhundertwende jene 7 Hengste, die als die anerkannten Linienbegründer der heutigen Population gelten: Hroby, Goral, Gurgul, Polan, Pietrosu, Ousor, Prislop. Den Hengsten gegenüber stehen die 43 Begründerinnen der anerkannten Stutenfamilien. Da das Zuchtbuch geschlossen ist, kann sich daran nichts ändern.

Betreut wird der Großteil der in Österreich eingetragenen Huzulenpferde vom Rassezuchtverband „Verband der Züchter des Huzulenpferdes in Österreich (VZHÖ)“, der Mitglied der Internationalen Dachorganisation für Huzulenpferde „Hucul Federation International – HIF“ ist und von gemischtrassigen Zuchtverbänden. Vor Eintragung in die Register und Zuchtbücher des VZHÖ werden alle Pferde mittels DNA typisiert bzw. abstammungsüberprüft.

Ähnliche Rassen

Kleinpferde, die ebenfalls vom Tarpan beeinflusst wurden:
Konik, Sorraia, Gotland-Pony, Baschkire und andere osteuropäische Kleinpferderassen

Förderungen

Das Huzulenpferd gehört auf Grund der weltweiten Bestandszahl von unter 2.000 reinrassigen Zuchttieren zu den gefährdeten Haustierrassen.

Die für die Abwicklung der Förderung zuständige verantwortliche Organisation ist der Pferdezuchtverband Oberösterreichs.

Leistungsdaten

Die überaus große Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Huzulenpferde ist nicht nur an den körperlichen Leistungen, wie sie im Zusammenhang mit der Beschreibung der Bewohner der Huzulei erwähnt werden - sie dienten als Transportmittel für Güter aller Art in den straßen- und brückenlosen Waldkarpaten - zu messen, auch die Anforderungen in Form der Leistungsprüfungen als Zuchtpferde in den Militärgestüten waren enorm. Die Tradition dieser auf die Rasse abgestimmten Prüfungen wird noch heute gepflegt – Zuchthengste müssen ihre Leistungen in Dressur, Geländeritt, in einer Einspännerfahrdressur und in der Zugleistung beweisen.

Ebenso beeindruckend sind die Zahlen und Daten für Fruchtbarkeit und Langlebigkeit.

Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Zu den bereits erwähnten Leistungen, kommen die geringen Haltungskosten durch die für diese Rasse empfohlene ganzjährige Haltung im Offenstall, durch die geringen Futterkosten auf Grund der Genügsamkeit bzw. der guten Futterverwertung – und ganz besonders zu betonen sind die robuste Gesundheit, die problemlosen Abfohlungen und die harten Hufe, die meist keinen Beschlag brauchen.

Eignung und Haltung

Das Huzulenpferd ist als ausdauerndes Wanderreitpferd und unermüdlicher Bergsteiger auch für weniger geübte Reiter geeignet, da es auf Grund seiner geringen Fluchttendenz meist ruhig, ausgeglichen und selbst in schwierigem Gelände sehr trittsicher ist. Seine Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich vom vielseitigen Freizeitpferd, Familienreitpferd und Schulpferd bis zum geduldigen Partner in der Hippotherapie. Besondere Vorzüge zeigt es bei Verwendung im Fahrsport. Natürlich eignet es sich, so wie in früheren Zeiten, zum Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft.

Gefährdung

Das Huzulenpferd wird im ÖPUL 2015 des Agrarumweltprogramms als gefährdete Rasse gefördert.

Literatur

Apollinaris Osowicki: Das Huzulenpferd 1904, Verlag von Schickhardt & Ebner, Stuttgart

In dem 1938 erschienenen Buch „Der Berg-Tarpan der Waldkarpathen - genannt HUZUL“ schreibt Oberstleutnant Ernst Hackl auf 334 Seiten über Entstehung, Herkunft, Exterieur, Eigenschaften und Leistung des Huzulenpferdes. Der Autor gibt Einblick sowohl in das Leben des Huzulenvolkes, seine Verbundenheit und Abhängigkeit von diesem an das raue, unwirtliche, kontinentale Klima perfekt angepasste Pferd, als auch auf die Landschaft des ehemals zur Donaumonarchie gehörenden Gebietes, der Bukovina. Nüchternen Daten und Fakten stehen seine lebendigen, bildhaften Beschreibungen gegenüber.

1938, Verlag Friedrich Beck, Leipzig-Wien

Michael v. Erdelyi: Beschreibung der einzelnen Gestüte des österreichischen Kaiserstaates nebst Bemerkungen über Hornviehzucht, Schafzucht, und Ökonomie 1827, Verlag Gerold, Wien

Dr. I. GH. Radulesco: Calul Hutul DIN R.P.R. 1957, Editura Agro-Silvica de Stat, Bucuresti

Hans Brabenetz: Das k.k. Staatsgestüt Radautz und seine Pferde 1987, tebasil-Verlag, CH-8500 Gerlikon

Ausstellungskatalog des ethnographischen Museums Schloß Kittsee: Galizien - ethnographische Erkundung bei den Bojken und Huzulen in den Karpaten 1998, Selbstverlag des österreichischen Museums für Volkskunde

Manfred Schulze: Mit zwei Pferden um die Welt 2001, Eigenverlag Manfred Schulze 65366 Geisenheim ISBN 3-00-007492-9

Ehrenfried Brandts: Pferde zwischen den Fronten 2007, ZugVogel Verlag Wenzel, München ISBN 978-3-940303-01-1