Österreichischer Noriker

Spartenbetreuer

Werner Lanner
Schratten 28
5441 Abtenau

0664/96 76 220
pension@schiemhof.at
www.schiemhof.at

Verantwortliche Organisation

Landespferdezuchtverband Salzburg
Mayerhoferstraße 12
5751 Maishofen

06542 68232
pzv@lk-salzburg.at
www.noriker.at

Rassestandard

Der Noriker ist ein mittelschweres, breites, tiefes Gebirgskaltblutpferd, das sich durch Trittsicherheit und gutes Temperament auszeichnet. Gewünscht wird ein ausdrucksvoller, trockener Kopf, mittellanger, gut bemuskelter Hals, gut gespannte Mittelhand mit guter Verbindung zur gut bemuskelten, deutlich gespaltenen Kruppe. Das Fundament soll kräftig, korrekt und trocken sein, bei möglichst guter Gangkorrektheit. Der Schritt soll taktrein sein, im Trab wird gute Hinterhandmechanik sowie Knieaktion bei schönem Schwung gefordert.

Es werden fünf Hengstlinien geführt, deren Name jeweils den 2. Teil jeden Hengstnamens bildet. Darauf folgt eine römische Zahl, die die Generation seit der Liniengründung angibt.

Die Linien heißen:
Vulkan
Nero
Diamant
Elmar
Schaunitz

Außerdem kann man die heutige Norikerzucht auch als Farbzucht bezeichnen, es wird großer Wert auf schöne Farbausprägung gelegt und die selteneren Farben erzielen oft hohe Liebhaberpreise. So gibt es neben den Hauptfarben Brauner, Rappe und Fuchs (möglichst dunkel mit hellem Langhaar) noch Mohrenköpfe/Blauschimmel, Tigerschecken und Plattenschecken/Kuhschecken (=dreifärbig).

Verbreitung

Als Hauptzuchtgebiet bezeichnet man, ausgehend vom Salzburger Pinzgau (davon stammt auch der Name Pinzgauer), ein Gebiet, das sich in die (Ober-)Steiermark, nach Kärnten, Slowenien, Osttirol, Südtirol, Nordtirol, ins südliche Bayern und nach Oberösterreich erstreckt. Das Zuchtgebiet des Norikers gilt als das größte geschlossene aller Kaltblutrassen Europas.

Im Jahr 2005 gab es in Österreich einen Bestand von ca. 4.500 eingetragenen Zuchtstuten, davon knapp 1.500 in Salzburg, rund 1.000 in Kärnten und je 500-600 in Oberösterreich und Tirol. Diesen gegenüber stand ein Bestand von 185 Deckhengsten, die meisten davon jeweils in Salzburg, gefolgt von Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark.

Zuchtgeschichte

Mit dem Vordringen der Römer über die Alpen ab ca. 118 v.Chr. wurde deren Legionspferd in den Provinzen Norikum, Rätien und Pannonien angesiedelt und fand hier eine neue Zuchtstätte. Die Besiedler der Bergtäler vermehrten die vorhandenen Pferdebestände, und so wurden die römischen Legionspferde zu Mitbegründern der norischen Pferderasse.

1565 gab der Erzbischof Johann Jakob von Kuen einen Erlaß heraus, dass ein Gestüt zu errichten sei, 1574 wurde der erste Landbeschäler (bewährter Deckhengst) in den Pinzgau geschickt, und zwar nach Stuhlfelden.

Einen besonderen Markstein für die Norikerzucht Salzburg setzte wohl erst Erzbischof Graf Thun (1687 - 1709) mit folgender 1688 erlassener Anordnung: 1. Die inländischen Stuten dürfen nicht mehr durch aus dem Ausland stammende Beschäler belegt werden. 2. Nur die Hofbeschäler dürfen zum Belegen verwendet werden. 3. Vom Staat dürfen nur Fohlen angekauft werden, die von Hofbeschälern stammen.

Mit dieser Anordnung wurde die Landeszucht begründet und die Reinzucht zum herrschenden Prinzip erhoben.

Die besten Hengstjährlinge wurden regelmäßig angekauft, um den Bedarf an Beschälern zu decken.

1703 wurde von den Bischöfen angeordnet, dass alle für das Beleggeschäft verwendeten Hengste der Gestütsmeierei Salzburg vorgeführt werden mußten und von ihr eine Bescheinigung ihrer Brauchbarkeit erhalten sollten. So wurden auch Hengste im Privatbesitz einer Körung unterzogen.

Im 19. Jahrhundert wurden französische Kaltbluthengste eingekreuzt, um die gewünschte Muskelmasse der Arbeitspferde zu verbessern.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten 12 Salzburger Pferdezuchtgenossenschaften gegründet, um die Reinzucht des Norikers zu fördern. Das erste Gestütsbuch registrierte im Jahr 1903 135 Hengste und 1081 Stuten.

1925 schlossen sich die mittlerweile 14 Pferdezuchtgenossenschaften zum "Verband der Pferdezuchtgenossenschaften des Landes Salzburg" zusammen, 1927 kam es zur Gründung des österreichisch-bayerischen Verbandes für norische Pferdezucht.

Nachdem sich in der Nachkriegszeit die Zahl der Arbeitspferde und somit der Noriker kontinuierlich verringerte, kam es ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder zu einer Stabilisierung bzw. einem leichten Anstieg der Population. Heute ist in Österreich die "ARGE Noriker" die Dachorganisation der Rasse, betreut werden die Züchter von den einzelnen Landespferdezuchtverbänden.

Ähnliche Rassen

Das süddeutsche Kaltblut ist sicher die dem Noriker ähnlichste Rasse und wird erst seit 1948 in einem getrennten Zuchtbuch geführt. Beide Rassen haben einen gemeinsamen Ursprung.

Förderungen

Der österreichische Noriker gilt als gefährdete Haustierrasse, daher wird die Haltung von registrierten Zuchttieren, sowohl Stuten als auch Hengste, über das ÖPUL-Programm gefördert. Die Tiere müssen auch aktiv im Zuchteinsatz stehen, um Anspruch auf die Förderung zu erheben.

Leistungsdaten

Die Zuchtbuchordnung der ARGE Noriker (Version 2008) schreibt folgende Maße vor:

Das Widerrist-Mindeststockmaß bei Stuten beträgt 152 cm. Die Bestmaße bei Stuten im Stockmaß liegen von 156 – 162 cm. Das Mindeststockmaß bei Hengsten beträgt 156 cm bei 2,5 jährigen Hengsten, 157 cm bei 3 jährigen Hengsten und 158 cm bei 4 jährigen und älteren Hengsten. Das Höchststockmaß bei Hengsten bei der Anerkennung beträgt 170 cm. Die Bestmaße bei Hengsten reichen von 158 – 165 cm. Der erwünschte Rohrbeinumfang beträgt bei Stuten 22 – 25 cm und bei Hengsten 23 – 26 cm.

Stuten werden (meistens 3 jährig, aber auch älter möglich) im Rahmen einer Stutbuchaufnahme regional der jeweiligen Komission vorgestellt und nach Exterieur und Grundgangarten bewertet. Die Endnote (Durchschnitt der Einzelnoten von 0 - 10) gibt Aufschluß über die Qualität der Stute, wobei deutlich mangelhafte Tiere nicht zur Zucht verwendet werden sollten. Voraussetzung für das Prädikat "Hengstmutter" ist eine Eintragungsnote von mindestens 74 Punkten (= 7,40) sowie ein Stockmaß von mind. 1,56 cm und keine Einzelnote unter 6,0.

Hengste werden im Alter von 2 1/2 Jahren, sofern sie die Jährlingsmusterung absolviert haben, einer zentralen Körung unterzogen. Sie müssen im Schnitt aller Einzelnoten mindestens die Note 7,50 erreichen, wobei keine Note unter 6,0 liegen darf.

Im Jahr nach der Körung haben die Junghengste eine 30 tägige Leistungsprüfung zu absolvieren, deren Bestehen Voraussetzung für eine Fortsetzung des Zuchteinsatzes ist.

Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Obwohl es vielen Tierfreunden nicht gefällt, ist es eine Tatsache, dass ein Teil der jährlich gefallenen Noriker als Fleisch konsumiert werden. Ohne diese Absatzmöglichkeit wäre die Rasse wahrscheinlich in weit geringerer Zahl erhalten geblieben. Man kann daher sicher davon sprechen, dass dieser Markt für die Qualität der Zuchtarbeit wichtig war und ist. Andernfalls gäbe es eine viel geringere Zahl an Zuchttieren und entsprechend weniger Selektionsmöglichkeit. Andererseits ist auch niemand gezwungen, mit schlechten Stuten zu züchten, deren Fohlen wegen diverser Mängel gar keine Chance haben, als Gebrauchspferd einen Käufer zu finden.

Aus dem Fleischpreis ergibt sich der Preissockel für die Vermarktung, dieser lag in den letzten Jahren zwischen € 1,50 und € 2,-/kg Lebendgewicht. Daraus errechnet sich ein Preis/Fohlen (ca. 6 Monate alt = Absetzer) von € 400,- bis € 500,-. Dies ist vor allem bei Hengstfohlen relevant, von denen jährlich nur wenige als sogenannte Köranwärter eingestuft und weiter aufgezogen werden. Die Stutfohlen werden in der Regel teurer verkauft, da sie bei entsprechender Qualität als Zuchttiere eingesetzt werden können. So lagen bei einer Auktion im Jahr 2007 die Spitzenpreise für Stutfohlen über € 4.000,-.

Die Vermarktung der Fohlen erfolgt großteils auf Märkten, wie zB dem freien Markt in Schöder oder am Pleschkogl (Stmk.), dem Stössingtaler Rossmarkt (NÖ), oder über Versteigerungen wie dem Abtenauer Rösslmarkt (Sbg.) und der Elitefohlenauktion in Feistritz/Gail (Ktn.). Hier findet man auch die einschlägigen Händler, bei denen man das ganze Jahr über Noriker Pferde jeden Alters kaufen kann.

Zum Thema Wirtschaftlichkeit zählt jedoch nicht nur der Preis für die Nachzucht, sondern auch der sonstige Nutzen, den man aus dem Pferd gewinnt. Bei einer Kombination aus Zug-/Arbeits-/Fahrpferd, das nebenbei auch als Reitpferd geeignet ist und zusätzlich im Schnitt jedes zweite Jahr ein Fohlen bringt, rentiert sich die Haltung jedenfalls.

Erfahrungsberichte

Elisabeth Wimmer, Gestüt Pferdeschule Riegersburg:

Als "normale" Turnierreiterin hatte ich lange keinen Bezug zu Kaltblütern und auch kein besonderes Interesse daran. Erst im Rahmen der Diplomarbeit an der Univ. für Bodenkultur stieß ich auf die Tatsache, dass es auch heute noch Menschen und Bewegungen gibt, die an der Optimierung des Arbeitseinsatzes von Zugpferden arbeiten. "Design of a horse-drawn tool carrier for row crop work" (Entwicklung eines Pferde gezogenen Geräteträgers für Reihenkulturen) war der Titel meiner Arbeit, die mich zum Kaltblut brachte. So war es naheliegend, dass ich plante, auch auf dem eigenen Hof ein Arbeitspferd einzusetzen.

1999 war es dann soweit: Mit dem Umzug von Wien auf eine 5-ha-Landwirtschaft in der Oststeiermark schafften wir auch unsere Norikerstute "Fidora" an. Sie war, damals 3 jährig, bereits gut eingefahren und kannte auch Arbeitsgeräte wie zB den Heuwender. So war auch das Reiten nur ein kleiner Schritt, sie nahm den Reiter wie selbstverständlich hin und lernte in kurzer Zeit, auf die Reiterhilfen zu reagieren. Über eine Freundin hatten wir das Glück, von der Mönichkirchner Alm zwei Arbeitsgeräte geschenkt zu bekommen (Wender und Rechen), die wir mit dem geliehenen Kumt unseres Nachbarn (er hatte früher Noriker im Einsatz) auch bald ausprobieren konnten.

Wir besitzen nach wie vor keinen eigenen Traktor. Mähen und Einführen des Heus lassen wir mit Traktoren machen (Maschinenring), beim Wenden versuche ich zumindest zu helfen, sofern die Stute nicht gerade beim Decken ist. Eine regelmäßige Arbeit, die sehr gut funktioniert, ist das Abziehen unseres Sand-Reitplatzes. Wir benutzen dafür eine selbstgebaute Schleppe aus 2 starken Balken, die von Fidora gezogen wird. Das Gewicht läßt sich durch Aufsteigen erhöhen. Außerdem dient Fidora als Lehrpferd für Reitschüler.

Im Jahr 2000 ließen wir Fidora erstmals decken und hatten das Glück, dass ihr Stutfohlen "Finessa" gleich an 4. Stelle der Landeselitefohlenschau platziert wurde. Wir konnten einen guten Preis erzielen und der neue Besitzer hatte wiederum Glück mit seiner ersten Anpaarung: Sein erstes Fohlen von Finessa, Hengst "Ferdinand Elmar" wurde 2007 in Stadl Paura gekört.

Eignung und Haltung

Entstand die Rasse als Arbeitspferd zum Tragen und Ziehen schwerer Lasten, vorwiegend im Gebirge, so kann man den heutigen Noriker als ausgesprochen vielseitiges Pferd bezeichnen. Er eignet sich selbstverständlich nach wie vor als Arbeitspferd in Wald und Feld, geht vor dem Wagen genauso gut wie unter dem Reiter. Obwohl es auch hier, wie bei jeder Rasse, Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren gibt, sind die meisten Exemplare ausgesprochen ruhige, verläßliche Reit- und Fahrpferde, die sich deshalb auch sehr gut als Anfängerpferde eignen.

Forstarbeit: In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Waldarbeitspferde wieder leicht zugenommen. Der Baum und Boden schonende Einsatz der Pferde wird wieder geschätzt, vor allem bei naturgemäßer Waldbewirtschaftung.

Tourismus und Freizeit: Vor allem im Tourismus wird der Noriker gerne vor dem Wagen oder Schlitten genutzt. In Salzburg, Kärnten, Obersteiermark und Tirol gibt es auch ländliche Reitergruppen, die sowohl traditionelle Feste mit dem Pferd pflegen, aber sich auch sportlich in den Sparten Dressur, Springen und Vielseitigkeit messen. Im Fahrsport hat der Noriker ohnehin seinen festen Platz.

Rosserertage und Fuhrmannstage: Bei diesen Veranstaltungen treten die Teilnehmer bei Holzrückewettbewerben gegeneinander an, bestreiten Rennen mit römischen Kampfwagen (Quadriga) und tragen Zugwettbewerbe aus.

In der Fütterung ist der Noriker genügsam und unkompliziert, die Ausführung der Ställe sollte jedoch die Körpermasse berücksichtigen. So werden alleine beim Scheuern diverser Körperteile Kräfte frei, die "windig" montierte Wände schnell "abmontieren" können. Am wohlsten fühlen sie sich, wie alle Pferde, in einer Offenstallhaltung mit ständig zugänglichem Auslauf.

Gefährdung

Im Stutbuch sind ca 4.800 Stuten und Hengste registriert. Im ÖPUL 2015 des Agrarumweltprogramms ist die Rasse als „gefährdet“ eingestuft.

Literatur

Sambraus, Hans Hinrich: Gefährdete Nutztierrassen (ISBN 3-8001-4131-0)
Willrich, Gine: Kaltblut Pferde (ISBN 3-405-15276-3)
Druml, Mag. Thomas: Das Noriker Pferd