Österreichischer Kurzhaarpinscher

Spartenbetreuerin

ARCHE Hof Oberhof
Yvonne Roider
Mayerlehen 19
5201 Seekirchen
06212/6125

Rassestandard

Österreichischer Kurzhaarpinscher

Der Österreichische Kurzhaarpinscher entstammt einer altösterreichischen Landhunderasse. Mit einer Schulterhöhe von 42 bis 50 cm ist er mittelgroß, stämmig gebaut und mittelschwer. Er hat ein wetterfestes Haarkleid in verschiedenen Farben von hellgelb über rotbraun bis hin zu schwarz (Körper einfärbig. Die Felllänge variiert von kurz bis mittel, der Hals ist mittellang und kräftig ausgebildet, oft hat der Pinscher weiße Abzeichen an Kopf, Brust, Läufen oder Rutenspitze und ausserdem Knickstehohren (semi-erected), korrekte Gebiss- und Beinstellung. Er hat einen munteren und aufgeweckten Gesichtsausdruck.

1928 wurde er offiziell als Rasse anerkannt. Insgesamt leben etwa 200 Österreichische Kurzhaarpinscher in Österreich und dieselbe Anzahl im Ausland. Die Rasse wird im ÖPUL 2015 des Agrarumweltprogramms nicht gefördert.

Der robuste Allrounder unter den Hofhunden

Der Österreichische Kurzhaarpinscher ist ein ausgezeichneter, genügsamer Hofhund mit robuster Gesundheit. Hoffremden Personen gegenüber ist er misstrauisch und damit ein ausgezeichneter Wächter. Früher diente er zum Rattenjagen. Heute wird er als wachsamer Hofhund sowie zum Viehtreiben eingesetzt. Er ist ein aufmerksamer Beschützer des Federviehs. Sein Jagdtrieb ist nur schwach ausgeprägt. Der Österreichische Kurzhaarpinscher ist spielfreudig, anhänglich und freundlich im Umgang mit vertrauten Personen und damit ein beliebter Familienhund. Wegen seiner Behändigkeit wird er auch gern als Sporthund eingesetzt.

Der Österreichische Kurzhaarpinscher ist die einzige autochthone "Nichtjagdhunderasse" in Österreich. Funde auf Pfahlbaustationen am Mondsee, Attersee und zahlreichen Ausgrabungsstätten belegen das Vorkommen seiner Ahnen in unserer Gegend bereits in der Jungsteinzeit und Bronzezeit.

Da ihm auf den Bauernhöfen oft nur spärlich Nahrung angeboten wurde, ist er ein ausgezeichneter Ratten- und Mäusejäger, was ihm in unseren Breiten den scherzhaften Namen "Rattler" einbrachte.

Verbreitung

Heute findet man Vertreter der Rasse vorwiegend in Österreich. Jedoch werden auch in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Norwegen Österreichische Kurzhaarpinscher gezüchtet. Einige wenige Pinscher werden außerdem in Schweden, Finnland, Belgien, Tschechien, der Schweiz und den USA gehalten.

Zuchtgeschichte

Im frühen 20. Jahrhundert bemühte sich der österreichische Kynologe DDr. Emil Hauck um Anerkennung eines von ihm als Landpinscher bezeichneten Hundetypus als Rassehund. Lesen wir, was ihn dazu motivierte, diese Hunde „offiziell“ in die Kynologie einzuführen:

„Seit vier Jahrtausenden gibt es im Gebiet des alten Österreichs, ganz besonders aber in Niederösterreich, eine Hunderasse, die sich ohne jede künstliche Selektion und ohne begünstigende Einmischung erhalten hat. In den letzten Jahrzehnten aber wurde sie auf der einen Seite von anderen Rassen, vor allem von Schäferhunden, verdrängt und auf der anderen Seite wurde ihr Aussehen und ihr Wesen aufgrund von unbeabsichtigten Kreuzungen mit anderen Rassen verändert.

Seit 1921 haben wir nun unser Bestes getan um die Auslöschung dieses Hundetypus – mutiger Bewacher des Hauses, uralt und wirklich bodenständig, genügsam und wetterfest – zu verhindern. 1929 als die Reinzucht bereits gelungen war, wurde die Rasse anerkannt. [...] Vom historischen Standpunkt gesehen stammt er vom Canis palustris der Steinzeit ab, vom Torfhund der Pfahlbautensiedlungen, dessen Reste in den Pfahlbauten des Mondsees, des Attersees und des Laibacher Moors und an etlichen anderen Orten der Neusteinzeit und der Bronzezeit gefunden wurden. Auch haben die im Laufe der letzten Jahre gemachten Schädelfunde durch die absolute Übereinstimmung der Formen seine Verwandtschaft mit diesen Vorfahren bestätigt. In früheren Zeiten in Mitteleuropa stark verbreitet, bleibt der Torfhund auch heute noch der Hund ländlicher Ansiedlungen, der Vorfahr, einer großen Anzahl von Rassen, wie den Pinschern, Schnauzern, Spitzen und Terriern unserer heutigen Zeiten. [...]

Die Widerristhöhe des Österreichischen kurzhaarigen Pinscher soll ungefähr 40 bis 45 cm betragen und niemals 50 cm übersteigen. Der Hund soll klein und genügsam bleiben. Die Abfälle aus der Küche des Bauern sollen ihm als Nahrung reichen. Seine Kleinheit macht ihn zudem weniger gefährlich für das Wild und erlaubt ihn in einem Zwinger (Hütte mit ausreichend Platz zum Laufen) oder im Stall zu halten, ohne ihn ständig an eine Kette legen zu müssen. Unser Pinscher vereint in der Tat all das, was man sich von einem Haushund erwarten kann: Große Wachsamkeit, Schärfe, Mut, Treue, Unbestechlichkeit, Genügsamkeit, Wetterfestigkeit und ein gefälliges Äußeres, keineswegs entstellt durch die Anforderungen des Sports oder der Mode.“ (DDr. Emil Hauck, Der Bauernhund, übersetzt aus dem Französischen, erschienen im Pinscherboten 68 (1/2000))

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde ab 1921 die planmäßige Zucht und zwar durch den Verein der Hundefreunde unterstützt. Die Rassevertreter wurden in ein Sammelregister eingetragen und auf Ausstellungen gezeigt. 1927 stellte man die Rassekennzeichen auf und am 16. Oktober 1928 war es endlich soweit: der Landpinscher wurde als „Österreichischer kurzhaariger Pinscher“ vom ÖKV anerkannt. 1929 folgte die Gründung des „Vereins zur Förderung der Reinzucht des Österreichischen kurzhaarigen Pinschers“ und das Zuchtgeschehen nahm einen hoffnungsvollen Anfang. Der 2. Weltkrieg hinterließ überall seine Spuren. Es gab zwar noch 10 Zwinger aber von 1948 bis1954 wurden nur 55 Welpen registriert. Ab 1954 wurde es für die Pinscherzucht wirklich brenzlig. Gerade einmal 43 Welpen wurden in den folgenden 18 Jahren geboren. Als es in den 70er-Jahren nur noch ein Zuchttier, den Rüden Diokles von Angern, gab, stand die Rasse kurz vor dem Aussterben!

Doch hier nimmt die Geschichte eine glückliche Wendung. Die Familie Mangold mit dem Zwinger „vom Schildbach“ nahm sich der Rasse an. Es fielen von 1979 bis 1983 vier Würfe mit 29 Welpen. Die Ursprungstiere aus dieser Zeit waren das einzige noch fruchtbare Tier aus der „Hauckschen Zucht“, nämlich Diokles von Angern, und drei Landpinscher (Tercia von Achrain, Tirol; Prima Nora, NÖ und Buffi, Ungarn). Sowohl im Inland als auch im Ausland begannen sich nun Züchter für den Österreichischen Pinscher zu interessieren. Zuchttiere wurden nach Holland und Dänemark exportiert, wo auch andere Rassen, nämlich ein Entlebucher Sennenhund, ein Zwergpinscher und ein Deutscher Pinscher eingekreuzt wurden. Nachzucht aus diesen Paarungen kam nach Österreich zurück und es bildeten sich zwei Zuchtrichtungen. Einerseits wurde durch schnelle Vereinheitlichung des Aussehens angestrebt den Pinscher auf Ausstellungen bekannt zu machen. Dies führte auch zu einem schnellen Ansteigen der Inzucht in dieser nun geschlossenen Population. Andererseits verfolgten Manche das Ziel, die ursprünglichen Hofhundeeigenschaften, zu denen auch die körperliche Robustheit zählt, zu erhalten und kreuzten immer wieder Landpinscher ohne Papiere ein. In den 80ern wurde ein Versuch gestartet durch einen Verein eine Regelung der Zucht herbeizuführen. Dieses Vorhaben scheiterte an Vereinsquerelen. (gescheckter Pinscherwelpe).

Ähnliche Rassen

Rassen mit ähnlichem Verwendungszweck sind vor allem die kleinen Schweizer Sennenhunde und der Islandhund. Außerdem können Spitze, Schnauzer und Pinscher zu ähnlichen Aufgaben herangezogen werden.

Förderungen

Gegenwärtig gibt es keine Förderungen für diese Rasse.

Leistungsdaten

Wenn man im Zusammenhang mit Hunden von Leistungsdaten spricht, so handelt es sich um gesundheitliche Aspekte, Fortpflanzung und Verwendungsmöglichkeiten.

Im Oktober 2009 wurde eine Diplomarbeit von Katharina Wetzstein an der Vet. med. Universität Wien vorgelegt, die sich mit der Gesundheit der Österreichischen Pinscher befasst. Aktuell sind verschiedene Erkrankungen bekannt, von denen angenommen werden muss, dass sie eine genetische Grundlage haben: z. B. Patellaluxation, Ellbogen- und Hüftgelenksdysplasie, Herzerkrankungen wie Pulmonal- oder Aortenstenosen oder Epilepsie. Diese Erkrankungen können meist erst beim erwachsenen Tier festgestellt werden.

Außerdem treten Hodenfehler, Knickruten, Zahnfehlstellungen, Membrana pupillaris persistens und vereinzelt Missbildungen z. B. an Gliedmaßen, After oder Herz auf. Diese Fehler bzw. Erkrankungen sind bereits bei Welpen erkennbar. Es treten auch Tumorerkrankungen, vereinzelt sogar bei jüngeren Hunden, auf. Eine genetische Grundlage kann vermutet werden. Da aber nur selten eine pathohistologische Differenzierung der Tumoren vorliegt, kann keine sichere Aussage über eine evtl. Erblichkeit gemacht werden.


Der Österreichische Kurzhaarpinscher soll robust und gesund sein!

Die Fortpflanzung des Österreichischen Kurzhaarpinschers gestaltet sich im Regelfall unkompliziert. Selten treten Geburtsprobleme auf und die meisten Würfe entwickeln sich ohne Komplikationen.

Der Österreichische Kurzhaarpinscher findet Verwendung als Hofhund. Er kann als Wach- und Treibhund gebraucht werden. Häufig wird er aber als reiner Familienhund gehalten. Zunehmend findet er wegen seiner Behändigkeit auch als Sporthund Gebrauch.

Eignung und Haltung

Der Österreichische Kurzhaarpinscher ist in erster Linie Hof- und Haushund mit vielseitigen Talenten. Was darf man sich also unter einem Hof- und Haushund vorstellen?

Der Österreichische Kurzhaarpinscher soll Besucher melden, dabei aber nicht „gschnappig“ sein. Mit ihm sympathischen Menschen schließt er auch gerne Freundschaft. Ein Pinscher soll seiner Familie und seinem Haus treu sein – d. h. er neigt nicht zum Streunen und Wildern. Er verfügt über eine robuste Gesundheit und ist genügsam und wetterfest. Wegen seiner Lebhaftigkeit und Intelligenz wird er, so wie in vergangenen Zeiten auch, fürs Treiben von Vieh verwendet.

Die Bezeichnung „Rattler“ macht ein weiteres Aufgabengebiet des österreichischen Hof- und Haushundes klar: Pinscher sind ausgezeichnete Mäuse- und Rattenfänger. Mit den anderen Tieren am Hof gibt es bei entsprechender Gewöhnung keine Probleme. Traditionellerweise wurde auf Höfen meist nur ein Hund gehalten, daher ist nicht jeder Pinscher für die Rudelhaltung geeignet. Mit entsprechender Sozialisierung ist er jedoch im Regelfall mit anderen Hunden gut verträglich.

Auch mit Kindern kommen sie, vorausgesetzt die Kinder beachten die hündischen Höflichkeitsregeln, hervorragend zurecht. Österreichische Kurzhaarpinscher schließen sich ihren Menschen sehr eng an und bestehen auf Zuwendung und Beschäftigung.

Trotz aller positiven Eigenschaften ist der Österreichische Kurzhaarpinscher kein Jedermannshund: seine positiven Eigenschaften entfaltet er am Besten in Verbindung mit einer positiven Mensch-Hund-Beziehung und der Möglichkeit seine ihm eigenen Bedürfnisse ausleben zu können.

In der heutigen Zeit ist der Pinscher sowohl für die Haltung am Hof, als auch für die Haltung als Haus-, Begleit- und Familienhund geeignet. Auch beim Hundesport wird man mit dem Allrounder Freude haben: von Gehorsamstraining über Fährten, Agility, Flyball, Dogdancing usw. kann ihm vieles beigebracht werden.

Die Körperpflege gestaltet sich einfach, nur langstockhaarige Exemplare bedürfen diesbezüglich einer etwas intensiveren Zuwendung. Den Tierarzt sucht man meist nur zu Routineterminen auf: Impfung, Entwurmung und die Untersuchungen zur Erbgesundheit der Population.