Tauben

Spartenbetreuer

Dr. Martin Schletterer
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Wiener Weißschild

Das Wiener Weißschild, früher als Wiener Spiegelschecke bekannt, ist eine typische „Habsburgertaube“, welche vor etwa 150 Jahren aus damaligen Wiener Taubenrassen herausgezüchtet wurde. Zur Entstehung dieser Rasse gibt es jedoch nur wenige Hinweise, einzig Seliger postuliert 1925 in seinem Werk „Die Tümmler“, dass das Weißschild „... aus zielbewußter Kreuzung von kurzen Farbigen und farbig Gestorchten ...“ hervorgegangen ist, und er hebt als besonderes Merkmal die abgerundete Kopfform hervor. Die Rasse als solche wird erstmals 1886 von Bruno Dürigen und Gustav Prütz erwähnt: Bei den Wiener Kurzschnäblern beschreiben sie die Farbvariante „Rot- und Gelbschecken“ und beim Wiener langschnäbligen Hochflieger den „Schwarzscheck“. Im großen „Mustertaubenbuch“ von Gustav Prütz wird das Wiener Weißschild unter den hochstirnigen Kurzschnabeltümmlern als „Roth- und Gelbschecktaube“, die sich durch weiße Flügelschilder (Spiegel) von den anderen Taubenrassen abheben, beschrieben. Zudem wird erwähnt, dass manche Züchter Rosenschecken, d.h. farbige Tiere mit weiß geschuppten Flügeldecken oder solche mit weißen Achseln (einfarbige Tiere mit weißem Rückenherz – Achselscheck) bevorzugen, die Tiere mit reinweißem Spiegel bei Prämierungen jedoch vorgezogen wurden. Deshalb sind die Röserlschecken als Schwesternrasse der Weißschilder anzusehen, da sich diese Rassen parallel entwickelten. Da die Bezeichnung „Schecke“ auf unregelmäßige Zeichnung schließen lässt, wurde 1905 von Zaoralek im Buch „Die Taubenrassen“ von Lavalle und Lietze die Bezeichnung „Weißschild“ eingeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts sind die roten und gelben Weißschilder in Schachtzabel’s „Prachtwerk sämtlicher Taubenrassen“ mit einem eckigen Kopf dargestellt. In der überarbeiteten Ausgabe von 1921 stellt Schachtzabel ein rotes Weißschild schließlich mit dem bekannten Rundkopf dar; es wird zudem erwähnt, dass die schwarzen Tiere noch nicht durchgezüchtet sind und deren Schnabel der Länge jener des dunkel gestorchten Wiener Tümmlers entspricht. Auch die Abbildung in Paneks Werk „Die Wiener Tümmler“ (1926) zeigt einen kurzschnäbligen Typ mit eckigem Kopf. Da Bruno Dürigen, Gustav Prütz und Max Pauly die „Spiegelschecken“ als Zeichnungsvariante bei den Wiener Kurzen beschreiben, kann angenommen werden, dass es tatsächlich eine solche Zeichnungsvariante bei den Kurzen gab. Dies rechtfertigt die Abbildungen und die Beschreibung durch Panek, der beschreibt, dass Weißschilder sowohl kurz- als auch mittelschnäblig anerkannt waren. Heute gibt es sie nur noch in einer halbmittelschnäbligen Variante. Der Vorläufer des schwarzen Wiener Weißschildes ist der „Schwarzscheck-Tümmler“, welcher von Prütz 1886 als flachstirniger Langschnabeltümmler klassifiziert wurde und von der schwarzgedachelten Taube abstammen soll bzw. als Kreuzungsprodukt aus Kiebitz und schwarzgedachelter Taube angesehen werden kann. Der Schwarzscheck hatte noch keine reine Zeichnung mit weißen Flügelschildern und farbigem Körper, sondern war – wie schon der Name sagt – ein „Scheck“ (vgl. Abbildung des präparierten Schwarzschecken im Bericht über Röserlschecken). Prütz weist auch darauf hin, dass diese Taube im Gegensatz zu Roth- und Gelbschecken einen langen, dünnen, schwarz gefärbten Schnabel und blaugraue Augen mit schwarzem Rand haben. Interessanterweise beschreibt Prütz, dass „aus Paarungen von Schwarzschecken mit Roth- oder Gelbschecken entweder schwarzschnäblige Schwarzschecken oder, allerdings lang- und weißschnäblige Roth- oder Gelbschecken“ fallen. Durch solche Kreuzungen von kurzen Weißschildern mit dem Schwarzscheck, wie es Prütz erwähnt, erzielte man vermutlich mittelschnäblige Rote und Gelbe, die durch Rückzüchtung mit den guten Tieren des alten Standardtyps (kurze Weißschilder) veredelt wurden. Da sich jedoch die zwei Zuchtlinien (rot/gelb und schwarz) genetisch deutlich unterscheiden, dürften vermutlich auch einfarbige Tiere (Hochflieger) zur „Verlängerung“ herangezogen worden sein. Bald darauf wurden die Linien der kurzen und mittelschnäbligen Weißschilder vermischt, sodass durch Selektion die uns heute bekannten, mittelschnäbligen, rundköpfigen roten und gelben Tiere entstanden. Dürigen beschreibt die Wiener Kurzschnäbel, mit „von der Spitze bis zum Mundwinkel 13–14 mm langen“ Schnäbeln. Da auch die heutigen Weißschilder solche Schnabellängen aufweisen, ist davon auszugehen, dass sie vom Typ her näher am Ursprungstypus sind. Dafür spricht auch das ruhige Temperament, das mehr den kurzschnäbligen als den hektischen mittelschnäbligen Wiener Tümmlern ähnelt. Es gibt jedenfalls zwei Zuchtlinien bei den Weißschildern, nämlich (1) rot und gelb sowie (2) schwarz. Kreuzungsversuche von Andreas Leiß ergaben, dass den schwarzen Weißschildern ein Schimmelfaktor zugrunde liegt, während die roten bzw. gelben (Verdünnungsfarbe von rot) Weißschilder von einem eigenen Weißschildfaktor bestimmt werden. Faszinierend ist, dass Zucht und Auslese vergangener Taubenzüchtergenerationen bei einer Rasse zwei verschiedene Faktoren bis zum angestrebten Ideal brachten. Die Tiere des schwarzen Farbenschlages tragen bereits als Nestjunge das weiße Flügelschild und werden mit den Jahren immer dunkler. Der Augenrand der Schwarzen soll pflaumenblau und das Auge perlfarbig-dunkel sein. Die Zucht von schwarzen Weißschildern ist, ähnlich derjenigen von Röserlschecken, schwierig. Da die schwarzen Tiere vom Typ her noch nicht an die roten bzw. gelben Tiere herankommen, wurde in Deutschland versucht, Rot mit Schwarz zu kreuzen, jedoch aufgrund der oben kurz erwähnten Farbfaktoren nur mit mäßigem Erfolg. Rote und Gelbe Tiere hingegen können problemlos miteinander verpaart werden und ergänzen sich auch. Sie schlüpfen einfarbig und ihr Flügelschild mausert erst mit der Zeit aus, ihr Augenrand soll korallenrot und das Auge selbst perlfarbig hell sein. Rote und gelbe Tiere können schon kurz nach dem Schlupf unterschieden werden, denn rote Tiere besitzen einen gelben Flaum, der bei den gelben Tieren nicht vorhanden ist. Um 1950 hat Benny Beigel gemeinsam mit anderen Wiener-Weißschild-Züchtern eine Niederschrift, bestehend aus etwa 15 Seiten, verfasst, worin beschrieben wird wie das Wiener Weißschild aussehen soll: Das Weißschild kann generell in drei Körperpartien (vordere, mittlere, hintere) eingeteilt werden, wobei die mittlere Partie mit Brust und Schulter der wichtigste Parameter ist. Ein Spitzentier muss kurz wirken und eine breite Brustpartie sowie einen abgerundeten Kopf ohne Platte (runder Würfelkopf), mit hoher Stirn und Steckschnabel (ein Mittelding zwischen kurz- und mittelschnäblig) aufweisen. Besonders die schwarzen, aber auch die roten Tiere zeigen im ersten Jahr das beste „Gesicht“, d.h., sie sind in Bezug auf Farbton und Schwingen am besten für die Ausstellung geeignet. Bei Weißschildern hat sich Inzucht bzw. Linienzucht als sehr zielführend erwiesen, und so bekommt man beim Durchzüchten einer Linie in der 6. oder 7. Generation ausgesprochene Spitzentiere. Bei den Wiener Weißschildern ist ein bis zum Schwanzansatz weißer Rücken gestattet, doch es wäre ideal, wenn nur das obere Drittel des Rückens weiß ist. Das Weiß darf sich aber nicht über die Bürzeldrüse hinausziehen. Für die Zucht braucht es jedoch sowohl Tiere mit mehr Weiß über den Rücken (Brücke bis zur Bürzeldrüse) als auch Tiere mit einer kurzen, weißen Brücke am Rücken. Vor Ausstellungen müssen Weißschilder geputzt werden, d. h., dass farbige Federchen aus dem Flügelschild gezupft werden müssen. Bei der ungarischen Schwesternrasse, den Budapester Weißschildern, wird – im Gegensatz zu den Wiener Spiegelschecken – ein gänzlich farbiger Rücken gefordert. Weiter sind die Budapester Weißschilder im Schnabel etwas länger, die roten bzw. gelben Tiere weisen ein Perlauge mit einem gelben Kranz auf und die Schwarzen haben ein dunkles, stahlblaues Auge. Zudem zeigen Rote und Gelbe einen nicht so intensiven Farbton wie die Wiener Schwesternrasse. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Weißschilder recht häufig, sie wurden in großem Umfang gezüchtet und stark selektiert, da nicht benötigte Tauben an Pelztierzüchter verkauft werden konnten. „Man behielt nur die besten Tiere und der Rest wurde an Pelztiere (Marder, Silberfüchse u.a.) verfüttert, die das warme Blut begierig schleckten“ und dadurch angeblich ein besonders glänzendes Fell bekamen, wie der Wiener Taubenzüchter Rauch zu erzählen wusste. Um 1950 hatte Alexander Berberich bemerkt, dass das Wiener Weißschild in seiner Heimatstadt Wien immer seltener wurde. Deshalb hat er sich dazu entschlossen, diese Tauben zu züchten und hat viele Jahrzehnte wertvolle Zuchtarbeit geleistet. Die Rasse ist heute in Österreich, Deutschland und der Schweiz verbreitet und es gibt auch eine Reihe von Züchtern in Tschechien und anderen europäischen Ländern. Wiener Weißschilder sind jedoch, wie auch andere Wiener Rassen, ziemlich selten. Daher möchte ich Horst Butterweck zitieren, der vor 15 Jahren in einem Artikel in der Geflügel-Börse meinte: „Nicht Fehler suchen, sondern das Positive sehen und bewerten.“ Dadurch können Züchter seltener Rassen dazu animiert werden, ihre Tiere auszustellen. In den letzten Jahren konnte jedenfalls eine erfreuliche Entwicklung festgestellt werden, so waren Weißschilder bei den Bundesschauen in Österreich und bei nationalen Schauen in Deutschland fast immer vertreten. Rote und gelbe Tiere werden in der Regel recht häufig gezeigt, die Schwarzen hingegen sind sehr rar: Deshalb ist es erfreulich, dass bei der Europaschau 2006 in Leipzig von neun Züchtern insgesamt 28 rote sowie jeweils 12 gelbe und schwarze Weißschilder ausgestellt wurden. Vor diesem Hintergrund kann man sagen, dass die Wiener Weißschilder einen festen Züchterstamm haben. Dies gibt schließlich zu hoffen, dass sich auch in Zukunft immer wieder engagierte Züchter finden, die diese edlen Tauben fördern.

Wiener Kurze

Die Wiener Kurzschnäbligen Tümmler (Wiener Kurze) entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Wiener Hochfliegern, die durch Einkreuzen von „Sächsischen Indianern“ verkürzt wurden. Diese kleinen Indianer waren auch als Cyprianer (Berbertauben) bekannt. Auf dies wird schon 1860 in der Korth’schen Tauben- und Hühnerzeitung hingewiesen. Es soll sich um weißschwingige sächsische Indianer (Sultanin) gehandelt haben; diese Berbertauben sind Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Dürigen hingegen postulierte 1906, dass es sich um böhmische Indianer gehandelt haben soll. In jedem Fall kann die orientalische Berbertaube als stammverwandteste Rasse des Wiener Kurzen genannt werden, denn zur Erzielung größerer Augenringe und dickerer Schnäbel wurde deren Blut eingekreuzt. Die Wiener Kurzen haben einen kleinen, gedrungenen Körper und einen kleinen, kantigen, würfelförmigen Kopf mit fleischfarbigem, waagrecht eingebauten Schnabel (Steckschnabel). Intensive rote Augenränder umgeben die etwas hervorstehen Augen. Auch für die Wiener Kurzen ist eine breite Brust charakteristisch; die Schwingen werden am Schwanz liegend getragen. Es gibt Einfarbige in den Grundfarben sowie Geschwingte. Eine Besonderheit waren die gesprenkelten Tiere, sogenannte „Harlekine“, die ebenso wie die Morettel schon lange ausgestorben sind. Bungartz beschreibt das Morettl 1885 als „kurze, dicke und weißschnäblige Tauben von tiefschwarzer Färbung mit weißen Abzeichen auf den Backen“, das schon damals nicht mehr in dieser Form anzutreffen war. Die Rasse entstand vermutlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts, sodass diese Tauben um 1870 noch sehr rar waren und hohe Summen für gute Tiere bezahlt wurden. Bald bekam die Rasse einen Aufschwung und die bekannten Wiener Züchter Heinrich Zaoralek, Gustav Partsch, Otto Reuther und A.V. Curry importierten aus Berlin Königsberger Reinaugen. Diese Tauben hatten einen würfelförmigen Kopf und einen deutlich ausgeprägten Augenrand, weshalb sie bei den Wiener Kurzen eingekreuzt wurden. Waldemar Brunck berichtet in seinem Buch „Kurzschnäbler Europas“ (1987) von einer aufsehenerregenden Schau in Königsberg (Ostpreußen) im Jahr 1888, auf der 40 Paar Wiener Kurze ausgestellt wurden. Der Erste Weltkrieg stellte jedoch unbestritten einen Rückschlag für die Zucht dar: So wurden 1924 bei einer Taubenausstellung in Wien als „Folge des derzeitigen Niederganges der Zucht“ unter 130 Wiener Tauben nur 23 Kurze ausgestellt. In Deutschland konnte Richard Seliger einen Zuchtstamm über die Kriegsjahre hinweg erhalten und hat diese Zucht durch Importe aus Ungarn wieder belebt. In den 1920er-Jahren wurde in Berlin die Kurzenzucht von Hans Neymann besonders gefördert, wodurch die Rasse in ganz Deutschland einen Aufschwung erlebte. Aufgrund des vor 1918 großen Staatengebildes der österreichischen Monarchie waren die Kurzen zwischen Wien und dem Baltikum verbreitet: Der Züchter Nestrow aus Riga besaß auch 1926 ausgezeichnete Tiere, wie Fotos in der Geflügelbörse belegen. In den Folgejahren brachte die gute Zusammenarbeit der Züchter aus Wien, Berlin, Budapest und Pressburg große Erfolge. Die Situation hatte sich also bestens entwickelt, doch nach dem Zweiten Weltkrieg war es schließlich notwendig Budapester Kurze einzukreuzen (Marks 1989), um den Bestand aufrechtzuerhalten. Neymann soll gefragt haben: „Sollen das Wiener oder Budapester sein? Dies zeigt den Zustand der Rasse: Während die Budapester Kurzen bald wieder ausgestellt wurden, hatten die Züchter der Wiener Kurzen Probleme mit Augenrand und Kopfform. Durch Züchtergeschick konnten die klassischen Wiener Kurzen wieder erzielt werden, und heute kümmert sich eine Reihe von Züchtern erfolgreich um die Rasse.

Waldviertler Kröpfer

Die Waldviertler Kröpfer (Waldviertler Schecken) waren Anfang des 20. Jahrhunderts auf Bauernhöfen im heutigen Grenzgebiet von Österreich, Tschechien und der Slowakei häufig anzutreffen. Früher hatten diese Tiere einen schwachen Körperbau, da sie nicht ständig vom Menschen gefüttert wurden, sondern sich auf den Feldern Nahrung suchen mussten. Beim Ausnehmen der Nester gab es dennoch eine gewisse Selektion: So wurden jene Jungen mit der gewünschten Zeichnung im Nest gelassen, sodass sich diese festigen konnte. Zudem spielte auch der Flugstil eine Rolle, bevorzugt wurden nämlich Junge von jenen Tieren, die zur Paarungszeit einen optisch und akustisch beeindruckenden Flug vorzeigten: Dabei klatscht (steigt) der Tauber 10 bis 15 m hoch und lässt sich anschließend mit abgespreizten Flügeln wie ein Stein fallen, währenddessen klatscht die Täubin hoch, und wenn sie sich fallen lässt, klatscht erneut der Täuber hoch. Für dieses Schauspiel – durch das die Handschwingen zerschlissen werden – benötigt der Waldviertler ein Federwerk mit möglichst breiter Außenfahne, was bei anderen Rassetauben oft zurückentwickelt ist. Waldviertler Kröpfer gab es in den vier Grundfarbenschlägen Schwarz (mit schwarzem Schnabel), Blau (mit dunklem Schnabel), Rot und Gelb (mit hornfarbigem Schnabel). Der Stellerkröpfer (mit wachsfarbenem Schnabel) entstand aus dem Waldviertler Kröpfer und hat im Lauf der Zeit diesen Urtyp stark zurückgedrängt. Heute unterscheiden nicht nur Schnabel bzw. Krallenfarbe die zwei Kröpfer: Der Waldviertler ist robuster, flugfreudiger und von der Zeichnung her gibt es ihn nur als Tiger: Auf der Grundfarbe Schwarz sind einige weiße Partien, vor allem das charakteristische Rückenherz (über die Schultern farbig eingefasst) sowie einige weiße Federn, welche Kopf, Hals und Flügelschild gleichmäßig tigern. Stellerkröpfer sind im Gegensatz dazu Schecken und es gibt zudem Zeichnungsvarianten wie Einfarbig oder Rieselköpfe (Körper in Grundfarbe, nur der Kopf ist mit weißen Federchen durchsetzt – die „herunterrieseln“). Der Taubenpreisrichter Leopold Skryanz lernte den Waldviertler Kröpfer Anfang 1980 kennen und war von dieser bodenständigen Taube fasziniert: deswegen kaufte er Restexemplare auf, verpaarte sie gekonnt und schuf eine einheitliche Linie, sodass auch ein Standard geschaffen werden konnte. Bei einer Taubenausstellung in Brünn erfuhr Herr Skryanz von einem alten tschechischen Züchter, dass es den Waldviertler Kröpfer schon um 1900 in der heutigen Zeichnungsvariante gegeben haben soll. Auf einigen Bauernhöfen im Waldviertel kann man heute noch „Waldviertler“ antreffen, diese sind jedoch nicht ausstellungsfähig, da sie aufgrund langer Inzucht eine zu waagrechte Haltung und nur mehr ein sehr kleines Blaswerk haben. Herr Skryanz erwarb 1983 auf einem solchen Bauernhof ein Einzelexemplar: Der Tauber war stark ingezüchtet, aber er vererbte die Zeichnung sehr gut. Als fremdblütiges Partnertier wurde ein zuchterprobtes Kreuzungstier zwischen Steigerkröpfer und Französischem Kröpfer verwendet. Diese starke, einfarbig schwarze Täubin mit kräftigem Kropf bekam Herr Skryanz vom Kröpferverein, denn es hatten Züchter des Steigerkröpfers den Französischen Kröpfer eingekreuzt, um den Stand ihrer Tiere zu erhöhen. Und es erwies sich schließlich als glückliche Fügung, denn aus der Nachzucht dieser zwei Tauben wurden Vollgeschwisterpaarungen gemacht und dadurch festigte sich die typische Zeichnung des Waldviertler Kröpfers. Durch den kleinen Ursprungstäuber und die große Kreuzungstaube konnte zudem eine ideale Größe erreicht werden. Um 1988 hat Herr Skryanz erneut einen „originalen“ Täuber eingekreuzt, um die Zeichnung weiter zu festigen und er hat dadurch einen tadellosen Zuchtbestand geschaffen. Anzumerken ist, dass diese Rasse in Volierenhaltung nicht gut züchtet, deshalb musste sich Herr Skryanz im Jahr 2001 von der Rasse trennen, da er nicht mehr die Möglichkeit hatte, den Tieren Freiflug zu gewähren. Der gesamte Bestand kam in die Erhaltungszuchtanlage im Tiergarten Schönbrunn, wodurch der Fortbestand diese Rasse gesichert ist.

Österreichische Klätschertaube

Bei den Recherchen für mein Buch „Die Taube im Wandel der Zeit“ habe ich im Herbst 2003 erstmals von der Österreichischen Klätschertaube erfahren. Seitdem habe ich versucht, Näheres über diese Taube herauszufinden und Züchter ausfindig zu machen. Gustav Prütz beschreibt den Klätscher vom Aussehen her als Bindeglied zwischen holländischer und deutscher Kropftaube. Der Name Klätscher oder „Plätscher“ ist von einer Besonderheit des Flugstiles dieser Taube abgeleitet, denn sie zeichnet sich durch lautes Flügelklatschen beim Umherfliegen aus. Prütz beschreibt die Klätschertaube 1876 in seiner Überarbeitung des Neumeister-Buches als kräftige Taube mit kurzen, unbefiederten Füßen und einem ausgeprägten Blaswerk. Sie weist einen hellen Schnabel und Perlaugen mit roten Rändern auf. Die noch vor 50 Jahren im Raum Wien häufig gezüchtete, vitale und brutfreudige Klätschertaube, welche es in den Farbenschlägen Schwarz, Blau, Gelb und Rot gab, musste dem zarteren Steigerkröpfer, für dessen Erzüchtung sie auch Pate gestanden hat, weichen und schien fast verschwunden. Doch über Kollegen bei der deutschen GEH erfuhr ich von Dr. Jürgen Güntherschulze, der eine Zuchtgruppe „besonderer Kropftauben“ habe. Sofort trat ich mit ihm in Kontakt, und tatsächlich – er hatte lange Jahre eine Zuchtgruppe der Klätschertauben geführt, die er vor kurzem an Joachim Fahlke abgegeben hatte. Ich nahm Kontakt mit diesem Herrn auf, der sich gleich bereit erklärt hatte, einige Paare dieser vitalen und brutfreudigen Rasse für die „Rückführung in die Heimat“ zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit Herrn Güntherschulze erarbeitete ich einen Standard, basierend auf alter Literatur und seiner Zuchterfahrung. Diesen Standard legte ich dem Vorsitzenden des österreichischen Bundeszuchtausschusses –August Heftberger – vor, welcher ihn den Erfordernissen der EE (Entente Européenne) anpasste (Standardentwurf im Anhang). Zur Anerkennung und Aufnahme in den Standard müssen die Tauben mindestens drei Mal auf großen Schauen ausgestellt werden. Anfang April 2005 konnte Peter Heindl auf seiner Erhaltungszuchtanlage 18 Tiere von Herrn Fahlke in Empfang nehmen und stellte daraus 9 Paare zusammen (4 Paar Schwarze, 2 Paar Rote, 2 Paar Schwarz-Weißgetigerte und 1 Paar Schwarze mit weißer Stirnplatte). Die Roten, Schwarzen sowie die Getigerten entsprechen dem vorläufigen Standard; das schwarze Paar mit weißer Stirnplatte hat Herr Fahlke mitgegeben, damit wir auch diese Zeichnungsvariante sehen (bis jetzt konnten wir diese Zeichnungsvariante in der alten Literatur nicht finden). Zurzeit gibt es einen Stamm im Zuchtschlag des Schönbrunner Tiergartens und es haben sich drei Züchter gefunden, die sich mit der Rasse beschäftigen und ihren typischen Flugstil fördern. Für eine Anerkennung müssen nun drei markante Unterschiede zu den verwandten Rassen (Steller- und Steigerkröpfer) herausgearbeitet werden.

Huhnschecken

Die Huhnschecke oder Linzertaube ist eine kräftige Taube, die in Oberösterreich vermutlich aus Florentinern, Nürnberger Bagdetten und türkischen Tauben herausgezüchtet wurde („Türkische Tauben“ kamen mit der zweiten Türkenbelagerung nach Mitteleuropa: Laut C.L. Brehm gab es sie in den Farbenschlägen Weiß, Gescheckt, Schwarz, Rot und Gelb. Sie wurden um 1850 vor allem in Thüringen gezüchtet, sind dann jedoch verschwunden). Die Hauptverbreitung der Huhnschecke ist das österreichische und ostbayrische Grenzgebiet. Zur Entstehungszeit gab es vornehmlich den Farbenschlag Schwarz, neben dem heute auch Braun, Gelb, Rot, Blau mit schwarzen bzw. weißen Binden und Fahl mit roten Binden vorkommen. Die Kombination der Farben mit Weiß verleiht der Taube eine auffallende Zeichnung. Gottlob Neumeister schrieb 1836 in seinem Werk „Das Ganze der Taubenzucht“ noch nichts über die Huhnschecke, doch er erwähnt bereits die Florentiner. In der zweiten Auflage seines Werkes beschreibt Neumeister schließlich auch die Huhnschecke und erwähnt sogar den Farbenschlag Blau mit weißen Binden. Dies ist wahrscheinlich auf die damals chaotische Nomenklatur zurückzuführen, denn es gab zum Beispiel für die Huhnschecke die Bezeichnungen Berndlschild, Hendlschecke, Ungarische Huhntaube, Österreicher oder Schildtaube. Nach der Fertigstellung der Bahnlinie zwischen Linz und Budweis im Jahr 1837 fand die Linzertaube auch zunehmende Verbreitung in Böhmen und wurde dort als „Wiener Huhntaube“, wie es in Zeitungsberichten der österreichisch-ungarischen Monarchie heißt, häufig ausgestellt. Der Wiener Taubenzüchter M. Göschl beschrieb im Jahr 1861 die beliebtesten Taubenrassen Wiens in der Korth’schen Tauben- und Hühnerzeitung und erwähnte dabei auch die Hühnerschecken als Rasse, die es „in verschiedenen Farbenschlägen“ gibt. In der Zeitschrift Columbia wurden, als Ergebnisse der Züchtertagungen 1869 und 1875, die Standards verschiedener Rassen von Herrn Dietz veröffentlicht. So wurde die Huhnschecke als Variation der Florentinertaube mit starker Ähnlichkeit zum Malteser angeführt. Die österreichischen Züchter der Huhnschecken wurden bis zu dessen Auflösung im Jahr 1987 vom Mattigtaler Huhntaubensonderverein betreut. Dieser Verein veranstaltete in Mauerkirchen jährlich eine national und international anerkannte Sonderschau, doch nach der Auflösung waren die Huhntaubenzüchter sich selbst überlassen. So kam es im März 1996 in Wels zur Gründungsversammlung des Sondervereines für Huhnscheckenzüchter, der die Musterbeschreibung dem Zuchtstand anpasste und ein neues Standardbild schuf. Nicht nur österreichische Züchter bestimmen die Vereinsaktivität – ein reger Austausch mit Sondervereinen der Nachbarländer gewährleistet, dass die Huhnschecken nach derselben Standardauslegung gezüchtet werden. Zentren der Huhnscheckenzucht sind heute Österreich und Bayern, doch auch in Ungarn ist diese Rasse in mehreren Farbenschlägen verbreitet.

Malteser

Die Maltesertaube stammt ursprünglich aus Oberitalien: ihr Urahn soll die Livorneser Taube gewesen sein, die in der Hafenstadt Livorno entstanden ist. Diese Taube wurde bereits 1765 von Girton im „Treatise on Domestic Pigeons“ abgebildet und als „Leghorn Runt“ (anglifizierter Name) beschrieben. Die Rasse kam schon vor 1850 nach Österreich, wo die weitere Veredelung mit der Einkreuzung von Französischen Bagdetten eingeleitet wurde. Diese Rasse wird vor allem im Gebiet um Wels, sowie dem angrenzenden Bayern gezüchtet. Das Innviertel ist heute die Hochburg dieser Taubenrasse und die Züchter haben erstklassige Tiere, was auch die Erfolge auf deutschen Sonderschauen belegen. Malteser sind die größten Huhntauben – der Idealtyp ist durch einen möglichst kurzen Körper, hoch getragenen Schwanz, eine hohe Beinstellung und einen langen, fast senkrechten Hals gekennzeichnet. Im deutschen Rassetaubenstandard werden die Farbenschläge Weiß, Schwarz, Blau mit schwarzen Binden, Braun, Braunfahl, Rot, Gelb, Blaugehämmert, Braunfahl-Gehämmert und Muselköpfe mit oder ohne Flügelrose genannt. In Österreich sind zudem Gescheckte und Getigerte in allen Grundfarben anerkannt.