Krainer Steinschaf

Spartenbetreuer

Barbara Soritz
Unterfresen 58
8541 Schwanberg

0699/12 16 2273
barbara.soritz@aon.at

Verantwortliche Organisation

Schaf- und Ziegenzuchtverband Kärnten
Museumgasse 5
9010 Klagenfurt

0463 5850 1523
tierzucht@lk-kaernten.at

Rassestandard

Merkmale des Krainer Steinschafes

Das Krainer Steinschaf ist mittelgroß, feingliedrig, mit geradem Nasenprofil und kurzen waagrecht stehenden Ohren. Die grobe Mischwolle ist überwiegend weiß und schwarzbraun, graue und gescheckte Färbungen sind seltener. Gesicht und Beine sind unbewollt, der Schwanz hingegen muss bewollt sein. Die Tiere sind meist hornlos, nur ca. 10% der Schafe und Widder tragen Hörner.

Die Schafe erreichen ein Gewicht von 50 - 60 kg, Widder 70-80 kg.

Verbreitung

Das Krainer Steinschaf ist eine autochthone Rasse der Julischen Alpen im Dreiländereck Kärnten,Slowenien und Friaul.

Heute finden wir Bestände im Triglavgebirge Sloweniens, im Val Resia in Friaul, in Bayern und wachsende Zuchten in Österreich.

Verbreitung in Österreich Stand 2008: Tirol 1 Betrieb, OÖ 2 Betriebe, Vorarlberg und Burgenland je 3 Betriebe, NÖ 10 Betriebe, Kärnten 14 Betriebe, Steiermark 18 Betriebe.

Der Gesamtbestand in Österreich laut Herdebuch 2008 umfasst 1221 Tiere davon 1102 Mutterschafe und 119 Widder, aufgeteilt in 9 Linien.

Zuchtgeschichte

Es gibt mehrere Theorien woher das Steinschaf seinen Namen hat. Eine besagt, dass die Bezeichnung auf die Tatsache zurückgeht, dass sich die Schafe während des Sommers ihre Nahrung an steinigen, kaum bewachsenen Hängen des Hochgebirges suchen müssen. Einer anderen Theorie nach bezieht sich die Bezeichnung „Steinschaf“ auf das geographische Gebiet der „Steiner Alpen“, einem Gebirgszug im Grenzgebiet von Kärnten und Slowenien.

Die Herkunft der heute noch existierenden Steinschafrassen als ursprüngliche Schafe des Alpenraumes ist nicht mit letzter Sicherheit bestimmt. Deutschsprachige Quellen tendieren zum Zaupelschaf als Vorfahre des Steinschafes. Slowenische Quellen hingegen ziehen auch das ursprüngliche Torfschaf als Vorfahre in Betracht. Nach Angaben der FAO hingegen stammt das Krainer Steinschaf in den Alpen der Steiermark und Kärntens vom Zackelschaf ab.

Die Bezeichnung Steinschaf wurde um 1900 üblich als Synonym für Zaupelschaf. Man ordnete es der Gruppe der Mischwolle tragenden Landschafe zu, wobei ein größeren Typ im Alpenvorland und ein wesentlich kleinerer Gebirgstyp unterschieden wurde. Um 1900 war das Steinschaf noch die bedeutendste Rasse des Alpenraumes, wo, durch die besonders isolierte Lage verschiedener Täler und die unterschiedlichen Klimate, eine Vielzahl an Schlägen mit lokalen Bezeichnungen entstanden (Feldmann et al.,1995)

Ursprünglich war das Steinschaf ein kleines, drahtiges, fast zierliches Hochgebirgsschaf, mit sehr dünnen, aber kräftigen Beinen und harten Klauen. Es wurde als ausgesprochenes Bergschaf geschildert, das aufgrund seiner gedrungenen Gestalt besonders zur Ausnützung der höchsten Bergweiden geeignet war. Zu dieser Zeit wurde es vor allem wegen der besonderen Schmackhaftigkeit des Fleisches hervorgehoben.

Die Wolle diente damals der Deckung des Hausbedarfs in den bäuerlichen Wirtschaften sowie der Erzeugung von Loden. Das Fleisch war fein, zart und von guter Qualität. Nur gelegentlich wurde Milch zur Käseerzeugung gewonnen.

Durch die Alpung italienischer Bergamaskerschafe in Steinschafgebieten kam es zu starker Einkreuzung. 1938 wurde eine sog. Rassenbereinigung durchgeführt, welche eine Steinschafzucht verbot und das deutsche Bergschaf entstehen ließ(Feldmann et.al.,1995) Diese Maßnahme bedingte eine rapide Abnahme der Steinschafpopulation, so dass nur jeweils kleine Bestände der verschiedenen Schläge erhalten blieben: Tiroler Steinschaf, Montafoner Steinschaf, Bayerische und Krainer Steinschafe, die sich in Leistung und Phänotyp stark unterscheiden

(Infoquelle: Diplomarbeit – Das Krainer Steinschaf von Frau U.Bietzker, Universität Gesamthochschule Kassel, 2001)

Leistungsdaten

Durch die jahrhundertelange Nutzung als asaisonale Milchschafe sind die Tiere sehr zutraulich, dem Menschen zugewand und standorttreu. Sie erlernen rasch lange Treibwege zu Weiden und Almen. Der Herdenzusammenhalt ist stark ausgeprägt. Sie sind robust, stresstolerant, krankheitsresistent und genügsam. Sie sind gute Futterverwerter, für trockene Gebiete bestens geeignet und kommen mit rauem Klima gut zurecht.

Das Krainer Steinschaf ist traditionell ein Milchschaf mit asaisonalem Brunftzyklus. Die durchschnittliche Milchleistung liegt zwischen 300l und 500l.

Durch die hervorragenden Muttereigenschaften sind die Tiere auch für die reine Mutterschafhaltung sehr gut geeignet. 3 Ablammungen in 2 Jahren sind möglich, Zwillinge sind häufig. Das ideale Erstablammalter liegt bei 16-18 Monaten.

Das feinfaserige, fettarme Fleisch ist von besonderer Qualität, es besitzt ein äußert dezentes, feinwürziges Aroma und weist bedingt durch hochwertiges Futter - nur Gras bzw. Heu - und die besonderen Haltungsbedingungen – Weide sobald und solange es die Vegetation erlaubt - einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren auf. Durch ihre Genetik sind diese Schafe für die intensive Mast nicht geeignet, vielmehr entwickeln sie ihre besondere Fleischqualität bei langsamem Wachstum in extensiver Weidehaltung.

Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Das Krainer Steinschaf ist ein fruchtbares Tier und liefert im Durchschnitt 2 Lämmer pro Jahr.

Viele Betriebe, die Krainer Steinschafe züchten,wirtschaften in der biologischen Wirtschaftsweise und vermarkten ihr Lammfleisch direkt. Diverse Wurst- und Schinkensorten sind bei diesen direktvermarktenden Betrieben zu erwerben. Vereinzelt wird das Krainer Steinschaf auch noch gemolken und die Milch in den hofeigenen Molkereien verarbeitet Durch die Spezialisierung auf ein Nischenprodukt - biologisch produziert und alte Nutztierrasse,gelingt es diesen Betrieben für Ihre Produkte meist zufriedenstellende Preise zu erzielen. Natürlich ist die Direktvermarktung mit viel Engagement und Zeitaufwand verbunden. Vorrausetzung ist auch ein innovativer Pioniergeist mit einem starken Willen zu besonderer Qualität.

Eine Gruppe Krainer Steinschafzüchter hat sich zusammengefunden, um ihre Lämmer gemeinsam zu vermarkten. Die Erwartung war, eine Vermarktungsschiene zu finden, die der speziellen Qualität ihrer Schafe und Höfe Rechnung trägt. Nach einigen Vorgesprächen und vor allem mehreren Blindverkostungen, konnten sie einen Vermarkter für ihr besonderes Produkt begeistern. Es wurde ein Vermarktungsverein gegründet, Erzeugerrichtlinien erarbeitet und mit dem Vermarkter gemeinsam die Marke "Bio Weidelamm Krainer Steinschaf" kreiert.

Teilnehmende Betriebe werden in biologischer Wirtschaftsweise geführt und Schafe der Rasse Krainer Steinschaf im Herdebuch gezüchtet.

Der Grundgedanke des Projektes „Bio-Weidelamm Krainer Steinschaf“ ist die Produktion spezieller Weidelämmer unter besonders artgemäßen Haltungsbedingungen.

Durch die Aufzucht lediglich mit Muttermilch, Gras und Heu liefern diese Lämmer erstklassige, natürlich gewachsene Fleischqualität. Damit ermöglicht dieses Projekt die natürlich veranlagten Fähigkeiten dieser speziellen Schafrasse um zu setzten.

Die Tiere befinden sich während der Vegetationsperiode ständig auf der Weide, im Winter steht Ihnen ein offener Stall mit regelmäßigem Auslauf zur Verfügung. Es wird kein Wert auf rasche Gewichtszunahme und Massenproduktion gelegt wird, dadurch hat das Tier genügend Zeit, harmonisch zu reifen. Für den Landwirt sinken durch den Verzicht auf Kraftfuttermast die Betriebsmittelkosten Durch die extensive Nutzung ökologisch wertvoller Flächen sichert dieses Projekt die Erhaltung artenreicher Wiesen und den Erhalt einer reich strukturierten Kulturlandschaft.

Es bestehen langfristige Verträge für die Zusammenarbeit und den Bauern wird Ihre Mehrarbeit für Zucht und Produktion in einem angemessenen Preis abgegolten. Das Projekt wurde 2008 gestartet. 2009 wurden 150 Lämmer über diese Schiene vermarket, 2010 waren es 350 Lämmer und 2011 werden es knapp 700 Lämmer sein.

Erfahrungsberichte

„Durch ihre Genetik sind die Krainer Steinschafe für die intensive Mast nicht geeignet, vielmehr entwickeln sie ihre besondere Fleischqualität durch langsameres Wachstum bei extensiver Weidehaltung und erbringen dem Bauern noch Erträge aus Wiesen, auf denen Hochleistungsrassen nicht mehr erfolgreich gehalten werden können.“ Barbara Soritz, Spartenbetreuerin Krainer Steinschaf, Biosphärenhof Tabakscheucher, Schwanberg