Original Braunvieh

Spartenbetreuer

Kuno Staudacher
Jahnstraße 20
6900 Bregenz

05574/423 68
0664/15 36 398
kuno.staudacher@lk-vbg.at

Verantwortliche Organisation

Vorarlberger Braunviehzuchtverband
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www.braunvieh-vorarlberg.at

Rassestandard

Typisch für das Original Braunvieh sind der mittelgroße Rahmen und die klassische Nutzung für Milch und Fleisch. Die Widerristhöhe beträgt im Durchschnitt 128 cm, das durchschnittliche Lebendgewicht liegt bei 550 kg. Der Geschlechtsdimorphismus ist stark ausgeprägt. Daher beträgt die Widerristhöhe der Stiere 136 cm im Durchschnitt und das Lebendgewicht liegt bei 850 kg.

Die Farbe ist einheitlich braun bzw. dunkelbraun.
Hornspitzen, Flotzmaul und Klauen sind dunkel pigmentiert.
Das Flotzmaul ist von einem hellen Rand gesäumt.
Die Mastfähigkeit bei guter Fleischqualität ist gleichrangig neben der Milchleistung von 4.000 – 5.500 kg bei guten Inhaltsstoffen im Zuchtziel enthalten. Das Original Braunvieh besitzt eine gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Verhältnisse und kann vor allem Grenzertragsstandorte optimal nutzen, da es seine Leistungen aus dem Grundfutter erbringt. Das Original Braunvieh ist genügsam, besitzt eine hohe Vitalität und eine lange Nutzungsdauer. Als altes Kulturgut unterstreicht es den Charakter unseres alpinen Landschaftsraumes.

Im Jahre 1896 wurde das erste „Regulativ für die Zuchtbuchführung“ für das Montafoner Rind in Vorarlberg veröffentlicht. Die wichtigsten Inhalte des Regulativs waren:

Alle aufzunehmenden Tiere müssen punktiert werden. Für die Aufnahme sind mindestens 55 Punkte erforderlich.
Die besonders zu bewertenden Kriterien wie Ohren, Hörner, Maul, Hals, Brusttiefe, Rückenlinie, Lende, Bauch, Becken, Muskulatur, Haut und Haar, Farbe und Rasse sowie Euter und Milchzeichen werden in einer Punktiertabelle festgehalten.
Die Idealfarbe ist hellbraun oder braun mit hellen Abzeichen. Dunkelbraune und dachsgraue Tiere werden nur aufgenommen, wenn sie in den sonstigen Anforderungen entsprechen.
Tiere mit weißen Flecken, die sich über den Nabel hinaus erstrecken oder die Griffe erreichen, werden ausgeschlossen.
Die sogenannten „Schnäuze“ werden nicht aufgenommen.

Das Punktierverfahren wurde 1883 in der Schweiz erstmals eingeführt. Die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes wurde mit Hilfe dieses Verfahrens an Hand einer detaillierten Liste vorgenommen und sollte zu objektiveren Ergebnissen führen.

Montafoner Rind aus dem Jahr 1859, k.u.k. Landwirtschaftsministerium, Wien

Die Vorteile des Original Braunviehs liegen auf der Hand.

hohe Vitalität
lange Nutzungsdauer
gute Eignung für Alpen wegen geringem Gewicht
für Milchviehhaltung und Mutterkuhhaltung geeignet (Zweinutzungsrind)
gute tägliche Zunahmen in der Kälbermast
wertvolles Kulturgut

Verbreitung

Bis 1965
Das Original Braunvieh entstand durch Verschmelzung der verschiedenen Landschläge ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Stammgebiet lag im Zentralalpenraum und umfasste die Schweiz, Vorarlberg, das Tiroler Oberland, Südtirol sowie das bayerische und das württenbergische Allgäu. (siehe Karte) Jedes Zuchtgebiet hatte seine eigenen geografischen Voraussetzungen und züchterischen Schwerpunkte, wobei zwischen den einzelnen Zuchtgebieten ein mehr oder weniger intensiver Zuchtviehaustausch bestand und heute noch besteht.

Seit Bestehen der organisierten Braunviehzucht (erstes Herdebuch in der Schweiz 1857) wurde das Zuchtziel immer wieder den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst, was zu unterschiedlichen Typen von Zuchtvieh geführt hat.

Ab 1965
Bis Mitte der 1960iger Jahre wurde im ganzen Verbreitungsgebiet „Original Braunvieh“ gezüchtet. Mit der Einführung der künstlichen Besamung war es möglich, Sperma aus den USA einzuführen. Dort wurde das ursprünglich aus der Schweiz eingeführte Original Braunvieh konsequent zu einer Milchrasse gezüchtet.

In den einzelnen Braunviehzuchtgebieten wurde durch diese Einkreuzung das Original Braunvieh unterschiedlich verdrängt: während es in Österreich, Deutschland und Italien zu einem fast vollständigen Verschwinden der Bestände kam, wurde in der Schweiz ein relativ großer Bestand (über 10.000 Tiere) an Original Braunviehtieren ohne Brown Swiss Einkreuzung erhalten.

Seit 1990
Seit der Einführung des Generhaltungsprogrammes im Jahre 1990 konnten die wenigen Restbestände in Österreich erfasst und vermehrt werden. Original Braunvieh unterschiedlicher Zuchtrichtungen gibt es gegenwärtig in sehr geringem Umfang in Österreich und Deutschland, sowie in größerem Umfang in der Schweiz.

Weltweite Braunviehpopulationen
Große Braunviehpopulationen, die aber züchterisch kaum bearbeitet werden, gibt es in einigen Ländern der früheren Sowjetunion, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Kanada, USA.

Zuchtgeschichte

Ursprung
Über Aussehen und Größe der in der vorchristlichen Zeit gehaltenen Tiere geben Skelettfunde und Berichte von Geschichtsschreibern Auskunft. So dürfte das um Christi Geburt in Westösterreich gehaltene Rind bei einer Widerristhöhe von 105 bis 120 cm von geringem Wuchs und sehr feinem Körperbau gewesen sein. Es war einfärbig und von brauner bis rostroter Farbe und wird heute den Kurzhornrindern – bos brachycerus – zugeordnet. Schriftliche Hinweise über das Vieh in den Alpen gab es erstmals nach der Besetzung dieser Regionen durch die Römer, die die Milchergiebigkeit und Qualität des Alpenviehs loben (Caesar 50 v.Chr, Strabus 30 v.Chr., Plinius 79 n.Chr., Tacitus 98 n. Chr.)

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches zogen immer wieder germanische Volksstämme durch das Gebiet. Die sich ansiedelnden Alemannen, denen man ein besonderes Geschick mit dem Umgang mit Vieh bescheinigte, brachten ihren größeren Rinderschlag mit. Das „Alemannenrind“, so wird angenommen, ist aus der Anpaarung zwischen dem in Mitteleuropa weit verbreiteten wilden Ur und dem kleinen ligurisch-keltischen Hausrind hervorgegangen. Schon der Ostgotenkönig Theoderich forderte seine Untertanen in einem Erlass aus dem Jahr 490 auf, ihr kleines Rind gegen die größeren der Alemannen zu tauschen.

Aus den vorhandenen Rindern entwickelten sich in Vorarlberg und im Tiroler Oberland bis ins 19. Jahrhundert talschaftsgebundene Schläge, von denen vor allem zwei besonders zu erwähnen sind:

das „Montafonerrind“, beeinflusst und geprägt vom dunklen Prätigauer Rind und dem schwarzbraunen Walser Rind, und das „Wälder Rind“, als schwarz mit weißen Griffen beschrieben.

Montafoner Schlag

Das Original Braunvieh zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde maßgeblich vom Montafoner Schlag und in geringerem Ausmaß vom helleren Allgäuer Schlag, dem grauen Lechtaler Schlag und dem Schwyzer Braunvieh geprägt.

Die großen Viehmärkte von Schruns, Bludenz, Rankweil, Dornbirn und Schwarzenberg (Vorarlberg), Imst (Tirol), Altstätten und Appenzell (CH), Sonthofen, Oberstaufen und Immenstadt (D) haben wesentlich zum Vermischungsprozess beigetragen.

Gefördert von der Vorarlberger Landesregierung wurde 1862 der Vorarlberger Landwirtschaftsverein mit Bezirksvertretungen in Bregenz, Bezau, Dornbirn, Feldkirch, Bludenz und Schruns gegründet. Der Landwirtschaftsverein organisierte unter anderem landesweit Vieh-Assekuranzen (Versicherung), deren Mitglieder sich bei Viehverlusten (in dieser Zeit vor allem durch Maul- und Klauenseuche und Rauschbrand Seuchenzüge) gegenseitige Unterstützung garantierten. Der Verein initiierte in den ersten 25 Jahren seines Bestehens zwölf wichtige Gesetze für die Landwirtschaft.

Als zweites landwirtschaftliches Förderungsgesetz wurde am 25.12.1869 das „Gesetz betreffend die Haltung von Zuchtstieren“ rechtskräftig. Mit diesem Gesetz war das erste „Tierzuchtförderungsgesetz“ der k.u.k. Monarchie geschaffen worden. Es beeinflusste den Siegeszug des Original Montafoner Braunviehs über die restlichen Talschläge ganz entscheidend: Aus den vielen verschiedenen Landschlägen im 19. Jahrhundert (um 1800 soll es 17 verschiedene Landschläge gegeben haben, die sich zum Teil nur in der Farbe unterschieden), wurde auf Initiative des Landwirtschaftsvereins das schöne, schwere, dunkelbraune und milchergiebige Montafonerrind zur „Landesrasse“ auserwählt. Nur der Einsatz der Montafoner Zuchtstiere wurde auf Grundlage des Tierzuchtförderungsgesetzes finanziell unterstützt.

Um das Qualitätsdenken der Viehzüchter zu wecken und das Verständnis für die Verbreitung des Montafoner Rindes anzuregen, wurden 1869 erstmals in Vorarlberg (und wahrscheinlich in Österreich überhaupt) die ersten drei Viehschauen veranstaltet. Diese Viehschauen sind seitdem im züchterischen Geschehen Vorarlbergs zur Dauereinrichtung geworden. Durch diese gezielte Zuchtarbeit wurden die Landschläge mehr und mehr verdrängt und das Original Braunvieh etabliert. So waren auf den Hauptmärkten in Sonthofen in den Jahren 1880 bis 1890 die etwas größeren und milchreicheren Tiere der Braunviehrasse aus der Schweiz und die Montafoner aus Vorarlberg besonders gefragt, welche von Prof. Kaltenegger so beschrieben wurden:

„Es gibt überhaupt nicht viele Rinderschläge in den Alpenländern, welche sich mit demselben in der für Harmonie und des Körperbaues und die Schönheit seiner Gesamterscheinung in Betracht kommenden Partien, Gliedern und Verhältnissen messen können.“

Herdebuchzucht

Im Jahre 1893 wurde in Dornbirn die „Erste Viehzuchtgenossenschaft“ Vorarlbergs und Österreichs gegründet (fünf Jahre nach der Gründung der ersten Braunviehzuchtgenossenschaft in der Schweiz).
Das erste Herdebuch Österreichs für die „Graubraune Gebirgsrasse, Schlag Montafoner“ wurde eingerichtet.
Dieser Gründung der ersten Zuchtorganisation folgten 1894 weitere in Andelsbuch, Großdorf, Lustenau, Schwarzenberg und im Vorderland.
1923 schlossen sich die bestehenden Viehzuchtvereine zum Vorarlberger Braunviehzuchtverband zusammen und führten das Herdebuch gemeinsam an zentraler Stelle.

Gefährdung

Braunviehtyp um 1900 auf einer Postkarte der 1. Viehzuchtgenossenschaft Dornbirn
Im Laufe der Jahre wurde der Typ des Braunviehs immer wieder variiert und vom ursprünglichen Milchtyp über den kleinen, gedrungenen „Wirtschaftstyp“ bis zum heutigen großrahmigen, milchbetonten Zweinutzungstyp gezüchtet.
Die ersten Braunviehrinder wurden im Jahr 1869 durch Henry M. Clark, Massachusetts, nach Amerika geholt. Dort kam es 1880 zur Gründung des Amerikanischen Braunviehzuchtverbandes. Bis zur Jahrhundertwende wurden 25 Stiere und 130 Kühe exportiert.
Prämierte Leistungskühe, Thüringen 1928
Im Jahr 1965 begann zuerst der Württembergische Braunviehzuchtverband mit der Einkreuzung von Brown-Swiss Blut. In der Schweiz folgte erst 1967 ein kleiner Vorversuch, der dann in einen Großversuch in den Jahren 1971 bis 1978 mündete. 1978 war die Zahl der Erstbesamungen mit Stieren mit Brown-Swiss-Blutanteil erstmals höher als die Zahl der Besamungen mit Original-Braunvieh-Stieren.

In Österreich begann die Einkreuzung 1968 mit der Einführung der künstlichen Besamung. Schon nach wenigen Jahren waren im Testprogramm nur noch Stiere mit über 50% Brown-Swiss Anteil vertreten. Dies hatte zur Folge, daß das ursprüngliche Original Braunvieh immer mehr verdrängt wurde und heute nur mehr in wenigen Exemplaren reinrassig erhalten geblieben ist.

Ähnliche Rassen

Allgäuer OBV
Der Bestand umfasst einige 100 Tiere und geht überwiegend auf österreichische Linien zurück, da die Sanierung der Bestände im Zuge der Seuchenbekämpfung in den 30iger und 50iger Jahren des vorigen Jahrhunderts (TBC, Bang) zu großen Importen aus Vorarlberg geführt haben. Das Allgäuer Originalbraunvieh entspricht dem Zuchtziel und ist dem österreichischen OBV gleichgestellt.

Schweizer OBV
Die Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der schweizerischen Original Braunviehrasse wurde am 12. Februar 1981 gegründet. Sie entstand zu einem Zeitpunkt, als die Einkreuzung mit importiertem Brown Swiss Blut die Mehrheit der Braunviehbestände erfasst hatte und absehbar wurde, dass das schweizerische Original Braunvieh innerhalb weniger Tiergenerationen völlig verdrängt sein würde Der Schweizer Original Braunviehzuchtverband umfasst heute über 500 Mitglieder. Im Herdebuch des Schweizer Braunviehzuchtverbands in Zug finden sich heute 12.000 Original braune Tiere, davon 6.200 Kühe. In der Zucht werden einige hundert Original Braunviehstiere eingesetzt. Das Schweizer Original Braunvieh wird überwiegend als milchbetonte Zweinutzungsrasse ohne Brown Swiss Blut gezüchtet. Dennoch sind einige Linien nach wie vor interessant, zumal vor der Brown Swiss Anpaarung ein reger Austausch mit der Schweizer Population bestanden hat.
Schwyzer Rasse, 1859, k.u.k. Landwirtschaftsministreium, Wien

Weibliche Zukäufe aus der Schweiz sind daher unter bestimmten Voraussetzungen möglich:

  • Die Höchstleistung (Eigenleistung oder Mutterleistung bei Kalbinnen) darf maximal 5.500 kg betragen.
  • Die Zuchttiere müssen dem Zweinutzungstyp entsprechen und sind von einer Kommission (VO...Verantwortliche Organisation) phänotypisch zu beurteilen.

Einzelne männliche Linien (Sperma oder Lebendstiere), die eindeutig phänotypisch und leistungsmäßig (5.500 kg und Betonung der Fleischleistung durch entsprechenden Zuchtwert „Fleisch“) dem österreichischen Zuchtziel entsprechen, können in Absprache mit der Verantwortlichen Organisation importiert werden, wenn sie zu einer Verbreiterung der Linienführung beitragen.

Leistungsdaten

Leistungsprüfung
Alle Zuchtbetriebe sind entweder der Milchleistungsprüfung oder der Fleischleistungsprüfung angeschlossen. Die Prüfungen werden von den Leistungskontrollstellen der Länder durchgeführt.

Ergebnisse der Leistungsprüfung
Anpaarungsprogramm
Der Einsatz des Anpaarungsprogrammes „RDV-MATE“ verhindert eine zu enge Blutlinienführung. Alle Abstammungsdaten der weiblichen und männlichen Zuchtrinder werden erfaßt und der optimale Anpaarungspartner für die Besamung oder den Natursprung ermittelt. Jeder Züchter erhält für seine paarungsfähigen Tiere Anpaarungsvorschläge. Die Einhaltung der Vorschläge wird kontrolliert und ist Voraussetzung für die Prämienzahlung.

Selektion
Der Bestand an Original Tieren ist sehr gering. Daher ist es notwendig, alle Nachkommen aus den Anpaarungen in das Herdebuch aufzunehmen. Neuaufnahmen, bei denen die Abstammung nicht mehr nachvollzogen werden kann, werden nur nach einer positiven phänotypischen Beurteilung aufgenommen. Von allen männlichen Zuchttieren wird eine DNA-Karte angelegt.

Fremdgenanteil
Da der Bestand sehr gering ist, wird bis einschließlich 2009 ein Fremdgenanteil von 25% akzeptiert. Ab Antragstellung 2010 wird der Fremdgenanteil auf 12,5%, ab dem Jahr 2014 auf 6,25% reduziert. Männliche Zuchttiere müssen ausnahmslos 100% reinrassig sein.

HB Eintragung
Für alle Zuchttiere, die nicht Nachkommen bereits im Herdebuch eingetragener Zuchttiere sind, hat allein die Verantwortliche Organisation das Recht, die Rassenzugehörigkeit „OBV“ im RDV einzutragen. Zuchttiere aus Import, die nicht den Kriterien entsprechen, werden in das normale Braunvieh Herdebuch eingetragen und sind nicht prämienfähig.

Samenlager
Geeignete Stiere werden in Wels oder in Birkenberg abgesamt und ein Samenlager angelegt. Auf die Linienvielfalt wird besonderer Wert gelegt.

Ziel
An der österreichweiten Vermehrung des Original Braunviehs wird in Zusammenarbeit mit den Zuchtverbänden gearbeitet. Durch den Einsatz von „RDV-MATE“ und die Förderung als hochgefährdete Tierrasse im Rahmen des ÖPUL-Programms soll das Original Braunvieh in seiner Einzigartigkeit erhalten werden.

Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Das OBV wird als angefleischte, kleinrahmige Doppelnutzungskuh gezüchtet, die eine hohe Nutzungsdauer mit 5000 bis 5500 kg Milch je Laktation erreicht.

Ihr Charakter soll umgänglich und ruhig sein und einen entsprechenden Mutterkuhinstinkt aufweisen.
Mutterkuh Heim

Die Fleischleistung der Kälber soll für die Milchmast entsprechend hoch sein.

Das OBV ist eine fleischbetonte Zweinutzungsrasse und ideal für sog. Low-Input-Systeme geeignet.
Mutterkuh Alpe

Original Braunvieh Zuchttiere sind derzeit äußerst schwer zu bekommen und werden zu hohen Preisen gehandelt.

Erfahrungsberichte

Hugo Waldner, Großdorf, Vorarlberg
Züchter von Original Braunvieh seit 10 Jahren; 10 Milchkühe plus Jungvieh; bewirtschaftet 13 ha plus Alpung

Seit Anfang der 90-iger Jahre befasse ich mich mit Original Braunvieh. Der Grund meines Umstiegs auf Original Braunvieh war sowohl ein arbeitstechnischer wie auch ein finanzieller. Denn ich war auf lokaler und regionaler Ebene bei verschiedenen Institutionen (Gemeinde) und bäuerlichen Organisationen teilweise ehrenamtlich tätig. Diese Tätigkeiten außerhalb des Hofes hatten zur Folge, dass ich am Hof nicht immer zur Verfügung stand und daher die Arbeit auf meiner Frau lastete, die auch noch sechs Kinder zu betreuen hatte.

Trotzdem konnte ich den Betrieb nicht auf extensive Wirtschaftsweise (Mutterkuhhaltung) umstellen, weil ich auf die Einnahmen aus der Milchwirtschaft ebenfalls angewiesen war. Denn im Jahr 1990 ist unser neu renoviertes Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäude abgebrannt und ich musste wieder neu aufbauen. Aufgrund dieser Situation suchte ich nach einer Viehrasse, welche keine hohen Arbeitsansprüche an das Management stellte und trotzdem eine vertretbare Milchleistung erbrachte. Ich setzte mich mit heimischen und vor allem aber mit Allgäuer Bauern in Verbindung, welche Original Braunvieh züchteten und hielten. Dabei kam ich zur Erkenntnis, dass das Original Braunvieh genau jene Rasse ist, welche für meine Betriebsstruktur die richtige ist und begann mit der Zucht und Haltung dieser robusten, langlebigen und mit geringen Ansprüchen zufriedenen Rasse. Zugegeben, bei Leistungsbewerben bezüglich Milchleistung konnte ich natürlich nie mithalten. Dass ich trotz dieser leistungsmäßigen Hintanstellung mit meinen Original Braunviehkühen durchgehalten habe, dankten mir diese damit, dass sie lange (etwa 10 Jahre) am Hof aushielten und jedes Jahr ein Kalb brachten. (Wobei die Abkalbung immer problemlos verlief und die Kühe und auch Kalbinnen in den meisten Fällen allein abkalbten.) Durch die geringe Remontierungsrate konnte ich jedes Jahr Zuchtvieh verkaufen und auch die Stierkälber eigneten sich zur Mast hervorragend. Bezüglich Kraftfuttergabe stellen diese Kühe keine hohen Ansprüche. Auch auf der Alpe sind die Tiere sehr gut weidegängig und bei extremen Wettersituationen stabil. Sie können das Grundfutter auf der Alpe sehr gut verwerten und kommen jeden Herbst wohlgenährt auf den Hof zurück.

Alles in allem habe ich es bis dato noch nie bereut, auf Original Braunvieh gesetzt zu haben. Denn neben der Tatsache, dass Original Braunvieh ein Kulturgut darstellt, lässt sich mit diesen Tieren auch noch vernünftig wirtschaften.

Meine ehrliche Begeisterung für das Original Braunvieh ist keineswegs dazu angetan, andere Rassen geringer zu schätzen. Aber ich bin dankbar, diese standortangepasste Viehrasse halten zu dürfen. Denn diese Tiere sind, wie bereits erwähnt, dankbar und zufrieden. Und nochmals sei betont: ihre Haltung enttäuschte mich wirtschaftlich nicht!

Monika Schneider, Egg, Vorarlberg

Ende der achtziger Jahre ist uns bewusst geworden, dass in unserem Stall reinrassige "Original Montafoner Braunviehkühe" stehen .Diese haben wir danach versucht, reinrassig zu belegen oder zu besamen. Im April 1990 habe ich ein Schreiben an die Landwirtschaftskammer und einige andere Stellen gerichtet, es sollte das "Original Braunvieh" als eigene Rasse geführt werden, das ohne Echo blieb.

Die damals erwähnten Gründe sind die gleichen geblieben:
- eine Rasse, die ihre Leistung größten Teils aus wirtschaftseigenem Futter erbringen kann
- es können Grenzertragsstandorte genützt werden (Landschaftspflege !)
- gute Futterverwertung
- hohe Vitalität und Nutzungsdauer
- jede Rasse besitzt wertvolles genetisches Material zur Blutauffrischung und Vermeidung von Inzucht
- bodenständige Nutztierrassen unterstreichen den Charakter bestimmter Landschaften und sind lebendiges Kulturgut

Gegen Ende der 90er Jahre wurden mit Markus Stadelmann, Zerlauth Walter, Emil Fleisch, Bär Ignaz u. Reinhard und Battlogg Herbert (um einige namentlich zu nennen, die Aufzählung ist nicht vollständig) "Original Braunviehstammtische" bei den einzelnen Tierhaltern abgehalten. Im September 1999 war ein öffentlich bekanntgegebener Stammtisch im Schul- und Bildungszentrum Hohenems. Die ARCHE AUSTRIA und die ÖNGENE haben als Organisationen viel dazu beigetragen, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit über vom Aussterben bedrohte Haustierrassen zu stärken.

Ab 1999 hat der Vorarlberger Braunviehzuchtverband die Funktion für ganz Österreich als Verantwortliche Organisation für das "Original Braunvieh" übernommen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken, denn es war mit viel Arbeit und Einsatz verbunden. Es mussten Seminare besucht werden, Förderrichtlinien erarbeitet, unzählige Telefonate und Gespräche geführt werden. Das BMLFUW forderte jährliche Berichte und noch vieles, deren Aufzählung ich dem Leser ersparen möchte. Durch die Prämien, erstmals im "ÖPUL 1995", durften Züchter bedrohter Rassen,Bestätigung und Anerkennung ihrer Arbeit erfahren. Diese wurden dann im "ÖPUL 2000" abgewandelt und neu angepasst.

Durch oben erwähnte Aktivitäten wurde "Original Braunvieh" nach vielen Jahren wieder öffentlich ausgestellt. Es war dies auf der Bundesbraunviehschau 2000 im April in Imst, auf der Dornbirner Frühlingsmesse 2002 war Emil Fleisch mit seinen Lieblingen (Danke!) und zur Feier des 20jährigen Bestehens der ÖNGENE, wurden in Wels alle 27 in Österreich anerkannten, gefährdeten Rassen ausgestellt (auch Original Braunvieh). Ich wünsche allen, die mit dieser Rasse leben, viel Freude und züchterischen Erfolg.

Walter Zerlauth, Ludesch, Vorarlberg

Züchter von Original Braunvieh seit 10 Jahren; 30 Milchkühe plus Jungvieh; bewirtschaftet 25 ha plus Alpung; 4.500 kg Stalldurchschnitt; liefert Bio-Milch an die Sennerei Marul im Großwalsertal

Nach meiner nun mehr als zehnjährigen Erfahrung mit Original Braunvieh komme ich zu folgenden Feststellungen:
- Beim Montafoner Braunvieh ist eine langsamere Jugendentwicklung der Rinder zu beobachten, bei der wenig Probleme auftauchen.
- Die Klauengesundheit ist wesentlich besser geworden.
- Die Fruchtbarkeit und Langlebigkeit hat sich ebenfalls verbessert.
- Die Hirtin auf der Gassner Alpe (Großwalsertal) berichtet mir immer wieder, dass die Montafoner Kühe ruhiger in ihrer Art sind und deshalb leichter mit ihnen umzugehen ist. Sie kommen auch ohne Zufütterung von Ausgleichsfutter auf der Alpe zurecht. Im steilen Gelände kommen sie besser zurecht als Brown Swiss Tiere.
- Die Milchleistung meiner Kühe streut noch sehr, von 3.500 bis 5.500 kg Milch. Angestrebt werden 5.000 kg Stalldurchschnitt. Die Euterform gilt es noch zu verbessern. Deshalb ist es seitens des Verbandes notwendig, ein klares Zuchtziel zu finden.
- Bei zu später Belegung der Montafoner Rinder ist die Gefahr der Verfettung groß. Das gegenseitige Besaugen der Kälber tritt häufiger auf.
- Bei der Anpaarungsempfehlung würde ich mir einen größeren Spielraum bezüglich des Inzuchtgrades wünschen, da ich oft Stiere, die meinem Zuchtziel voll entsprechen, nicht einsetzen kann.

Eignung und Haltung

  • Low Input
  • Mutterkuh
  • Nebenerwerb

Projekte

Arbeitskreis der Vorarlberger Original Braunviehzüchter

Literatur

  • Albrecht Walther, „Die Erblinien beim Braunvieh in Württemberg“, 1936
  • Brackmann Michael, „Das andere Kuhbuch – vierzig Rasseportraits“, 1999
  • Jutz Thomas C., „100 Jahre Viehzuchtgenossenschaft Dornbirn“, Dornbirner Stadtschriften, 1993
  • Jutz Thomas C., "100 Jahre Herdebuchzucht - 70 Jahre Braunviehzuchtverband", Festschrift, 1993
  • Kaltenegger Ferdinand, „Die geschichtliche Entwicklung der Rinderrassen in den österreichischen Alpenländern“, Wien-Prag, 1880
  • Kräusslich Horst, „Rinderzucht“, 1981
  • Müller Wilhelm, „80 Jahre Braunviehzucht“, Festschrift, 1949
  • Partl Max, „Tiroler Braunvieh“, 2007
  • Summer Gebhard, "90 Jahre organisierte Braunviehzucht in Vorarlberg" Festschrift, 1983
  • Werkowitsch Constantin, „Das Land Vorarlberg“, 1887

Weblinks

www.braunvieh-vorarlberg.at
Homepage der Verantwortlichen Zuchtorganisation für das Original Braunvieh

www.braunviehaustria.at
Homepage der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Braunviehzuchtverbände

www.braunvieh.ch
Homepage des Schweizer Braunviehzuchtverbandes

www.originalbraunvieh.de
Homepage des Vereins deutscher Original Braunviehzüchter

www.braunvieh.org
Homepage der US Original Braunviehzüchter

www.braunvieh.com
Internetportal für die US Original Braunviehorganisationen