Sandro Gstrein

Mein Name ist Sandro Gstrein und ich bin 1994 in Tirol geboren. Ich bin auf dem Hof meiner Eltern aufgewachsen, welcher auf 1450 m Seehöhe liegt.

Das Interesse an der Landwirtschaft und meine große Leidenschaft mit Tieren zu arbeiten, hat schon immer meinen Werdegang geprägt. Ich wollte mich immer mit Tieren beschäftigen und damit auch mein Geld verdienen. Nach Abschluss der HLFS Ursprung, bin ich nun Student an der Hochschule Weihenstephan im Studiengang Landwirtschaft. Viele weitere Kurse und Ausbildungen haben meine Person, meine Einstellung und meine Zukunftspläne geprägt. Mein ganzes Leben dreht sich um die Landwirtschaft und es wird trotzdem nie langweilig. Das ist auch der Grund warum ich zur ARCHE Austria gekommen bin und mich in diesem Verein engagieren möchte.

Unser Bergbauernhof liegt tief in den Ötztaler Alpen und wurde immer schon mit Braunvieh bewirtschaftet. Ursprünglich das Original Braunvieh wurde von meinem Großvater mit dem Brown Swiss gekreuzt. Als mein Vater den Hof übernahm, wurde ihm schnell klar, dass das Brown Swiss auf unserem inneralpinen Hof nicht passt. So entschied er sich 2006 wieder auf Original Braunvieh zurückzugreifen. Derzeit stehen 4 Milchkühe mit Nachzucht auf unserem Betrieb und mittlerweile haben sich auch Altsteirer Hühner zu uns auf den Hof gesellt. Wir haben sehr viele gute Erfahrungen mit den seltenen Rassen gemacht, speziell auch aufgrund der topografischen Lage unseres Hofes. Ein Zurück würde es für uns nicht mehr geben.

Sissy Strubreiter

„Archejungbäurin aus der Scheffau“ – Ja, das bin ich!

Mein Name ist Sissy Strubreiter, ich bin 19 Jahre alt und die Tochter von Michaela und Thomas Strubreiter. Wie bereits erwähnt, wohne ich in der Scheffau am Tennengebirge (Sbg.). Im Sommer siedeln meine Familie, der komplette Viehbestand und ich auf die Arche-Alm am Seewaldsee und dort verbringe ich 3 Monate. 

Vom Oktober 2012 bis April 2013 absolvierte ich den Jungzüchterprofi und ich muss sagen, ich bin um einiges an Wissen reicher geworden. (Diesen Kurs kann ich nur empfehlen)
Zusätzlich war der JZP. die Geburtsstunde von der ARCHE-Jugend.

Die ARCHE-Jugend ist der Nachwuchs der ARCHE-Austria. Und wir, die Jugend, sind es die sich weiterhin für unsere seltenen heimischen Haus- und Nutztierrassen einsetzen müssen. Da kann sich jeder mit einbringen der ein Fan von unseren alten Rassen ist, egal ob mit oder ohne Tier. Ich erwarte mir von der ARCHE-Jugend, dass wir unsere verschieden Tierrassen  auch in der Jugend bekannt machen und stark vertreten. Die Welt sollte merken, dass es uns gibt!

Im Mai habe ich beim Akzente Jugendredewettbewerb teilgenommen. Beim Landesjugendredewettbewerb habe ich es geschafft mit dem Thema „Vergessene Nutztiere im Trend der Zeit“ In der Kategorie „Klassische Rede –Mittlerne Schulen“  in den Bundesbewerb  in Wien aufzusteigen.

In meinen 5 Tagen in Wien hielt ich meine Rede noch einmal vor allen österreichischen (inklusive Südtiroler) Siegern der gesamten Kategorien (ca. 70 Teilnehmer) und der 5-Köpfigen Fachjury.

Mich macht es sehr stolz, dass ich mit einem „Bauernthema“ in Wien angetreten bin.
Zusätzlich habe ich es sogar geschafft mir den Bundessieg bei meiner Kategorie der „Klassischen Rede“ mit meiner Rede zu holen.

Und hier ist meine Rede, mit der ich die Fachjury überzeugt habe:

Vergessene Nutztiere im Trend der Zeit

Hat schon mal wer was von den „Pustertaler Sprinzen“  oder von der „Blobe Goaß“ gehört?
Wahrscheinlich wenige!
Auch Mangalizaschweine und Zackelschafe werden noch nicht viele persönlich kennengelernt haben.
Ich, Sissy Strubreiter, Archejungbäurin aus der Scheffau, will ihnen heute erklären, wie es soweit kommen konnte, aber auch was man beitragen kann, um diese Tiere hinter dem Mantel des Vergessens hervorzuholen. Ich habe als Titel für meine Rede daher Vergessene Nutztiere im Trend der Zeit gewählt!

Am Beginn des Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit entschloss sich auch die österreichische Landwirtschaft neue Wunder zu vollbringen. Mit dem Einzug einer immer noch moderneren Landtechnik auf den Höfen, war der Leistungssteigerung nur noch eine Grenze gesetzt: Das Tier. Was man an animalischer Arbeitsleistung nicht mehr benötigte, sollte jetzt in Fleisch- und vor allem in Milchleistung umgesetzt werden. Das Zuchtinteresse beschränkte sich alsbald nur mehr auf eine handvoll Rassen. Bei den Milchrindern sind es zum Beispiel nur mehr 3 große Vertreter, die weltweit den Ton angeben: Holstein, Brown-Swiss und Fleckvieh.

Bei den Schweinen ist es ähnlich, bei Hühnern sind es nur mehr Kreuzungen, die von einigen wenigen Konzernen gezüchtet werden. Unsere Nutztiere werden leider sehr oft nicht mehr als unsere gottgegebenen Partner gesehen, sondern zu Produktionsmaschinen degradiert.
Massentierhaltung, Tierseuchen ->die ganze Bestände vernichten und Verlust von genetischen Ressourcen sind treue Begleiter dieser Entwicklung.

Und jetzt möchte ich  die essentielle Frage in den Raum stellen: WARUM? Warum muss das alles sein? Meistens bekommt man als erste Antwort: Nahrungsmittel müssen für alle leistbar und billig sein. Ein äußerst interessantes Argument, wenn man bedenkt, dass allein in Österreich immer noch rund 40% unserer Lebensmittel im Müll landen. Sollen wir unsere Vielfalt im Land wirklich so billig der Einfalt opfern?

Viele wildlebende Tiere kämpfen auf der Welt ums Überleben. Aber das vor unserer Haustüre mit einigen heimischen Nutztierrassen in Österreich, das Gleiche passiert, ist vielen unbekannt. Gerade aber dieses Unwissen ist es, das diese Tiere gefährdet.

Mitte der 80ger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde eine Organisation ins Leben gerufen, die es sich zum Ziel gesetzt hat gemeinsam mit der ÖENGENE und einiger Zuchtverbände sowie der Universität für Bodenkultur eine Trendumkehr herbeizuführen. Die ARCHE AUSTRIA
Trotz vieler Steine, die den rund 30jährigen Weg pflastern, ist es gelungen, dass keine der uns noch erhalten gebliebenen Tierrassen seither mehr ausgestorben ist.

Bis heute entscheidet sich doch, der eine oder andere Bauer das Experiment mit den, mittlerweile als Exoten bezeichneten Tiere, zu wagen. Einen Minderertrag bei der Leistung steht zwar ein vielfaches an Qualität gegenüber, diese muss aber vom Konsumenten erst angenommen und bezahlt werden.
Die Schwierigkeiten und Aufwände bei der Zucht, müssen von der Liebe zu unseren Schützlingen ausgeglichen werden.

Diese Liebe steigert aber nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern auch das Österreichische Bruttoglücksprodukt (ungemein).
Die Stückzahlen steigen langsam, aber kontinuierlich. Wir sprechen hier aber nicht von abertausenden Tieren. Als Beispiel möchte ich die Pustertaler Sprinzen anführen: Mittlerweile gibt es wieder gut 300 Kühe oder noch mal kleiner – die Blobe Ziege mit gut 100 Ziegen. Und selbst der größte Vertreter, das Tiroler Grauvieh mit 4000 Tieren österreichweit, ist ein Zwerg im Rinderuniversum.

Paradoxerweise ist es der voranschreitende Klimawandel, der wie es aussieht unseren seltenen heimischen Tieren doch noch Aufwind verleihen könnte. Wenn die Wetterextreme zunehmen, sind plötzlich wieder Eigenschaften gefragt, die unsere Schützlinge geradezu auszeichnen: Genügsamkeit, Wetterhärte, also das Auskommen auf Grenzertragsstandorten sind Dinge, die eventuell auch wir Menschen in Zukunft brauchen werden.

Das Thema Qualität und Regionalität von Nahrungsmitteln ist uns gerade nach dem letzten Fleischskandal noch in Erinnerung. Und gerade auch hier sind es unsere heimischen Tiere, die punkten können. Nicht zuletzt sollte auch der kulturelle und traditionelle Aspekt angeführt werden. Vor allem Kleinbauern sind es, die diese Tiere halten und somit einen großen Teil zum Erhalt unseres Erholungsraumes beitragen.
Der Konsument darf ruhig davon wissen, dass mit unserer kleinbäuerlichen Welt, wo Kühe noch Hörner tragen, Ziegen auf der Alm herumspazieren und Hühner auf dem Hof herum-picken zwar Werbung gemacht wird, die großen Geschäfte aber andere machen.

Und hier kommt mein Appell an alle:
SIE haben es in der Hand, wo der Weg hinführt. 96% der Österreicher sind Nichtlandwirte und somit die größte Verbrauchergruppe. SIE können jeden Tag entscheiden ob Fleisch vom Bauern aus den Nachbarsorten auf den Tisch kommt oder ausländische Billigprodukte aus dem Discounter, ob Kraut aus dem Walserfeld oder spanische Billigtomaten, die auf Baumwollsubstrat gezüchtet werden. Somit kommt das nächste Paradoxon zum Tragen: nicht Bauern sind es die über die Zukunft alleine entscheiden, sondern Nichtbauern und politische Rahmenbedingungen werden wichtige Weichen für die Zukunft stellen.                                 

Ich wünsche mir von ganzen Herzen, dass unsere Vielfalt, die wir noch haben nicht dem „immer Mehr“ geopfert wird, denn aus dem „immer Mehr“ wird schnell ein „Zuviel“.
Ein „Zuviel“ ist zwar das Gegenteil von „zu wenig“ aber auch ein „Genug“ würde reichen.
Wiesen und Äcker, die zubetoniert werden, sind in der Natur für lange Zeit verschwunden,
genetische Ressourcen, die aussterben, für immer!


Sissy Strubreiter