Österreichisch-Ungarische Weiße Barockesel

Spartenbetreuer

Mag.Katharina Zoufal
Verein zur Erhaltung der weißen Barockesel
2294 Schloßhof 1

022857/200 00 840

zoufal@schlosshof.at
www.weisse-barockesel.at

Rassestandard

Synonym: Österreich – ungarischer Albinoesel, Barockesel Der Österreich Ungarische Weiße Esel ist eine mittelgroße Eselrasse, die mindestens bis in die Zeit des Barock /Rokoko, wahrscheinlich noch wesentlich weiter zurückzuführen ist.
Diese Eselrasse ist durch spezifisch für sie zutreffende Merkmale des Körperbaus charakteristisch. Das gilt besonders für die Kopfform.
Haut und Hufe sind unpigmentiert. Die Augen erscheinen hell –wasserblau. Das Haarkleid ist hellgelb gefärbt und somit dem Flavismus (lat. flavus- gelb) zuzuordnen. Die meisten Vertreter sind normalhaarig.
Es kommen aber auch solche mit verlängertem Haarkleid vor. Normale Stehmähnen überwiegen, wobei auch Hängemähnen vereinzelt vorkommen. Die Fohlen werden häufig weit kräftiger intensiv gelblich gefärbt geboren. Aalstrich und Schulterkreuz sind oft angedeutet.

Verbreitung

Das Ursprungsgebiet beschränkt sich auf das Karpatenbecken (Ungarn) und Ostösterreich.
Heute lebt die größte Population in Österreich und Ungarn. In Deutschland, Schweiz, Frankreich und Italien leben Österreich Ungarische Weiße Esel auch in Zoos und Tiergärten, die sich um die Erhaltung bemühen.
In Ungarn finden sich die Tiere nicht nur in Nationalparks sondern auch noch bei Bauern.

Zuchtgeschichte

Barockesel - diese Bezeichnung gibt einen Hinweis auf den kulturhistorischen Hintergrund der Rasse. Die schönen Tiere wurden nämlich im Zeitalter des Barock, also im 17. und 18. Jahrhundert, gezüchtet. In dieser lebenslustigen Epoche war man auf Helligkeit ganz versessen, was sich zum Beispiel auch in den Barockkirchen niedergeschlagen hat. Weiße Pferde galten im Barock als Lichtbringer und standen für das Gute, schwarze Pferde symbolisierten hingegen Tod und Verderben. Während man Rappen als Zugtiere für Leichenwagen einsetzte, wurden der Kaiserkutsche der Habsburger jeweils die berühmten Lipizzaner-Schimmeln vorgespannt.
Abbildungen von weißen Eseln findet man in zahlreichen Kirchen vom Erfurter Dom bis zu den Kathedralen in Moskau.
Wer im Barock etwas auf sich hielt, besaß also weiße Tiere. Zur Erbauung der besser gestellten Damen und Kinder wurden in der k. u. k Monarchie weiße Esel gezüchtet.
Man kann sich gut vorstellen, wie zufrieden die ästhetisch anspruchsvollen Barockmenschen waren, wenn sie die kleinen Prinzessinnen und Prinzen in ihren akkurat angelegten Gärten mit weißen Eseln spielen sahen.
Leider aber entsprachen die Esel bald nicht mehr dem Zeitgeschmack. Die Blütezeit der Rasse war vorbei. So wie auch andere Esel landeten sie wieder in ihrer Nutzung bei Schäfern als Tragtiere und bei Bauern als Arbeitstiere.
Anfang der 80iger Jahre kamen Tiere aus Ungarn in den Tierpark Herberstein.
Univ. Prof. Dr. Fritz Dietrich Altmann entdeckte diese 1986 dort und brachte Tiere in den Zoo Erfurt von dort gelangten Tiere weiter in den Zoo Stralsund.
Bildtitel

Der Nationalpark Neusiedlersee unter der Leitung von Dr. Kurt Kirchberger brachte in den 90er Jahren von Suchtouren in Ungarn weiße Esel nach Österreich. Heute lebt die größte Zuchtgruppe im Nationalpark Neusiedlersee.
Bestand 2002 ca. 80 Tiere,
registrierter Gesamtbestand 160-180 Tiere im Jahr 2008.
Größte Zuchtgruppe im Nationalpark Neusiedlersee der auch das Register führt.
Jährlich findet eine Zusammenkunft der internationalen Arbeitsgruppe zur Erhaltung der Österreich Ungarischen Weißen Esel unter der Leitung von Vet. Rat. Univ. Prof. Dr. Fritz Dietrich Altmann statt.

Ähnliche Rassen

Auf einer Insel bei Sardinien „Isola Asinara“ lebt eine konstante Population von weißen Eseln der Rasse Asino Bianco unter staatlichem Schutz. Wie weit diese Esel mit dem Österreich Ungarischen verwandt sind weiß man noch nicht. Im Jahr 2000 wurde eine Population von 80 Tieren angegeben. Asino Bianco ist mit 80-100 cm kleiner als der Österreich Ungarische Weiße Esel. Asino Bianco gilt als robust und genügsam.
Ihr Ursprung ist sagenumwoben. Hat der mythische Fürst von der Asinara für seine Damen weiße Esel aus Ägypten importiert? Ist ein französisches schiff aus Ägypten kommend an der Küste der Insel gestrandet, mit einer Ladung weißer Esel für den König?
Diese Theorien sind deshalb eher unwahrscheinlich, da die ägyptischen Esel Schimmel sind. Prof. Dr. Altmann hält es für möglich, dass Esel über das Herrscherhaus der Habsburger in Wien bzw. anderen Adelshäusern, aber auch reicheren Bauern und Bürgern Österreich Ungarns über Neapel nach Sardinien kam denn es bestand ja seitens der Habsburger über lange Zeit eine familiäre Beziehung zum Königshaus von Neapel.
Weiters ist es möglich, dass sich parallel in der Barock Epoche durch die Vorliebe der Farbe weiß diese Rasse gebildet hat. Heute engagiert sich das Instituto Incremento ippico della Sardegna für diese Esel. Die Rasse steht unter strengem Schutz, der Verkauf und Export ist verboten.

Förderungen

Derzeit gibt es keine finanzielle Unterstützung der Züchter.

Leistungsdaten

Österreich Ungarische Weiße Esel können genauso alt werden wie andere Rassen, auch 30-40 Jahre.
Nur wenige Tiere sind in Privatbesitz und in landwirtschaftlicher Nutzung. In Ungarn gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit noch unbekannte Restpopulationen die bei Bauern gehalten und zur Arbeit herangezogen werden.
Im Nationalpark werden sie in der Landschaftspflege im Einsatz, als Freizeit, Hobbytier, Schautier und in der Therapie (Asinotherapie) verwendet. Ausgebildete Tiere sind als Reitesel, Kutschesel und Tragtier (Trekking) treue Begleiter.

Erfahrungsberichte

Für Österreich Ungarische Weiße Esel gelten die gleichen Haltungs- und Fütterungsvoraussetzungen wie für andere Esel auch.
Besonders junges, eiweißreiches Gras im Frühling in niederschlagsreichen Gebieten ist zu vermeiden.

Eignung und Haltung

Therapieesel am Schotenhof in Wien
Therapieesel im Caritas Zentrum Isidor bei Linz
Landschaftspflege Nationalpark Neusiedlersee

Projekte

In Deutschland, der Schweiz, in Frankreich und Italien findet man Österreich-Ungarische Weiße Esel auch in Zoos und Tiergärten, die sich um die Erhaltung bemühen.

Gefährdung

Heute lebt die größte Zuchtgruppe im Nationalpark Neusiedlersee. Der Gesamtbestand liegt bei ca. 200 Tieren. Die Rasse ist somit „hoch gefährdet“. Im Rahmen eines internationalen Zuchtprogrammes soll die Rasse auch noch für die nächsten Generationen erhalten werden.